Wichtige Themen warten auf die 110 Grossrätinnen und Grossräte, welche die nächsten fünf Jahre die Freiburger Legislative bilden. Aktuell vertreten 15 Parlamentsmitglieder den Sensebezirk; fünf davon stammen aus dem Verteilgebiet dieser Zeitung. Alle haben bekanntgegeben, sich zur Wiederwahl zu stellen. Deutschsprachige Minderheit, medizinische Versorgung, Bevölkerungswachstum und Verkehr: Bei den grossen Herausforderungen für den Sensebezirk gibt es zwischen den Parteien einige Überschneidungen. Welche Schwerpunkte sie setzen und wo sie Handlungsbedarf sehen, unterscheidet sich jedoch.
SP
Die SP Sense will ihren dritten Grossratssitz zurückgewinnen und damit «die soziale Stimme des Sensebezirks stärken», wie Präsidentin Géraldine Bürgy auf Anfrage sagt. Inhaltlich setzt die Partei auf Bildung, Kinder- und Jugendförderung, bezahlbares Wohnen und eine gute öffentliche Infrastruktur. Angesichts des Wachstums müssten Schulen, Betreuung, Wohnraum, Verkehr und soziale Angebote Schritt halten. Dazu brauche es etwa genügend Kitaplätze und günstige Mieten; auf kantonaler Ebene fordert die SP zudem ein faires System bei den Krankenkassenprämien. Sparmassnahmen dürften nicht zulasten der Bevölkerung gehen. In der vergangenen Legislatur setzten sich die SP-Sense-Vertreter Eliane Aebischer und Urs Hauswirth unter anderem für eine zweisprachige medizinische Versorgung, Ergänzungsleistungen und Unterstützung bei steigenden Stromkosten ein.
Die Mitte
Die Mitte Sense will ihre fünf Grossratssitze halten und möglichst ausbauen. «Wir wollen weiterhin eine starke politische Kraft sein, welche nicht polarisiert, sondern Lösungen sucht und Verantwortung übernimmt», sagt Parteipräsident und Grossrat Bojan Seewer. Als Schwerpunkte nennt er die Gesundheitsversorgung – insbesondere die Stärkung des Spitals Tafers sowie die ambulante Versorgung, Hausarztmedizin und Pflege –, die Lebensqualität für alle Generationen sowie gute Rahmenbedingungen für Wirtschaft, Gewerbe, Landwirtschaft und Berufsbildung. Der Sensebezirk entwickle sich dynamisch. Nun gelte es, Wachstum und Lebensqualität miteinander zu verbinden. Die Infrastruktur muss weiterentwickelt werden, wobei den Gemeinden genügend Handlungsspielraum zu lassen sei. Auch die Zweisprachigkeit will die Mitte als Stärke des Sensebezirks weiter fördern. In der vergangenen Legislatur hätten sich die Mitte-Vertretenden im Gros-sen Rat neben anderen Themen besonders für die Sicherstellung und Stärkung des Spitals Tafers eingesetzt.
FDP
Die FDP Sense will ihre beiden Grossratssitze verteidigen und ihren Stimmenanteil halten,wie Grossrat Nicolas Bürgisser erklärt. Politisch nennt er die Verkehrsproblematik mit der Ortsdurchfahrt Düdingen sowie eine stärkere Positionierung des Sensebezirks zwischen Bern und Freiburg als Schwerpunkte. Herausforderungen sieht die Partei zudem in der demografischen Entwicklung. Als Erfolge der vergangenen Legislatur nennt Bürgisser die Umsetzung von FDP-Positionen im Sprachengesetz und die Mitarbeit in der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission mit dem Ziel gesunder Kantonsfinanzen.
Mitte Links
Mitte Links Sense will ihre beiden Grossratssitze verteidigen und nach Möglichkeit einen dritten gewinnen. Auch sie setzt Schwerpunkte bei Wirtschaft und Arbeitsplätzen, «Bildung als Schlüssel der Zukunft», Gesundheit und sozialer Sicherheit sowie bei der Zweisprachigkeit; hinzu kommt die nachhaltige Entwicklung. «Wirtschaftlicher Erfolg soll mit sozialer Verantwortung und ökologischem Engagement verbunden werden», betont Grossrat Urs Perler. Besonders gefordert sei der Sensebezirk bei der Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort, da viele Senslerinnen und Sensler nach Bern pendeln. Weitere Herausforderungen sieht die Partei beim Erhalt deutschsprachiger Angebote und bei der langfristigen Sicherung der Gesundheitsversorgung in Tafers. Als Erfolge der vergangenen Legislatur nennt Perler unter anderem die Einführung der Ergänzungsleistungen für Familien sowie die Stärkung deutschsprachiger Bildungs- und Berufsbildungsangebote.
Grüne
Die Grünen Sense wollen ihren bisherigen Grossratssitz halten und streben gar einen zweiten an. Ein Schwerpunkt ist für sie «Sicherheit», worunter Grossrat Roland Kehl insbesondere den Schutz der Lebensgrundlagen versteht: sauberes Trinkwasser, Schutz vor Hitze und Schadstoffen sowie eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion und einen höheren Selbstversorgungsgrad. Dazu zählt Kehl aber auch soziale Integration. Die Grünen setzen zudem auf einen starken Service public und ein gerechtes Steuersystem. Handlungsbedarf sieht Kehl im Sensebezirk beim Trinkwasser, beim öffentlichen Verkehr und bei der sanften Mobilität. Ein besonderes Augenmerk gelte den Interessen der deutschsprachigen Bevölkerung. In seiner Amtszeit ab 2023 setzte er sich unter anderem für eine Stärkung des kantonalen Aktionsplans für Nachhaltigkeit sowie für soziale und bildungspolitische Anliegen ein.
SVP
Die SVP Sense hat sich zum Ziel gesetzt, ihre drei Grossratssitze mindestens zu halten. Rückenwind erhofft sie sich gemäss einer Medienmitteilung von den Gemeindewahlen im vergangenen März, bei denen sie im Sensebezirk neun Gemeinde- und zwölf Generalratssitze hinzugewann. Für die Grossratswahlen tritt sie mit 15 Kandidierenden an. Zu ihren politischen Schwerpunkten für die kommende Legislatur machte die Partei in der Mitteilung keine Angaben. Eine Anfrage dieser Zeitung dazu blieb bis Redaktionsschluss ohne Rückmeldung.
Am 8. November entscheiden die Stimmberechtigten damit nicht nur, wer den Sensebezirk im Gros-
sen Rat vertritt. Mit ihrer Wahl bestimmen sie auch mit, welche politischen Schwerpunkte aus dem Sensebezirk in den kommenden fünf Jahren besonderes Gewicht erhalten.
Liste der Kandidierenden …
… aus den «Sensetaler»-Gemeinden Bösingen, Heitenried, Schmitten, Tafers, Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt:
Die Mitte: Markus Julmy (bisher), Schmitten, Judith Fasel-Meier, Wünnewil-Flamatt, Claudia Gfeller-Vonlanthen, St. Antoni / Niedermuhren, Anita Boschung-Jelk, Schmitten, Michael Ryser, Schmitten, Gallus Risse, Alterswil, Markus Mauron, Tafers.
SP: Hajan Abubaker, Schmitten, Sacha Beck, Bösingen, Géraldine Bürgy, Wünnewil-Flamatt, Florian Haymoz, Tafers, Stephanie Tschopp, Schmitten, Magdalena Waeber, Tafers.
FDP: Bei Drucklegung noch keine Liste der Nominierten veröffentlicht. Andreas
Freiburghaus (bisher), Wünnewil-Flamatt, tritt wieder an.
Grüne: Monika Gerber, Wünnewil-Flamatt, Roger Strebel, Schmitten, Salome Deriaz, Bösingen, André Boschung, Schmitten, Maurice Zysset, Bösingen.
SVP: Bruno Riedo (bisher), Ueberstorf, Claudia Reidy, Schmitten, Beat Glauser,
St. Antoni, Verena Wyget-Spycher, Wünnewil, Armin Marchon, Bösingen, Elmar Berthold, Schmitten, Manuela Spicher, Tafers, Martin Bigler, Wünnewil, Anita Egger, Alterswil, Ferhat Altunel, Tafers.
Mitte Links: Urs Perler (bisher), Schmitten, Markus Stöckli (bisher), Tafers, Claudio Ackermann, Heitenried, Priska Baeriswyl, Tafers, Sandra Berthold, Wünnewil-Flamatt, Barbara Binz, Tafers, Patrick Bürgisser, Schmitten, Hans Jörg Liechti, Ueberstorf, Rossana Savastano, Schmitten, Erwin Schweizer, Wünnewil-Flamatt, Dimitri Stöckli, Tafers, Jürg Weber, Wünnewil-Flamatt