Denn: Unser Gesprächspartner ist Sven Montgomery, der das Polizeiinspektorat Köniz seit 2019 leitet. Wer sich für Sport interessiert, vorab für den Radrennsport, weiss, was der ehemalige Radprofi – und heutige Co-Kommentator bei SRF – für eine Vergangenheit hat. Aber darum geht es ihm heutigen Bericht nicht. Von ihm wollten wir wissen, was sich auf dem Könizer Fundbüro jahraus, jahrein
so tut.
Austausch unter Fundbüros
Unsere erste Frage bleibt unbeantwortet, nämlich seit wann es dieses Fundbüro in Köniz gibt. Eilends befragte Mitarbeitende können auch nicht weiterhelfen. Eine Kollegin, seit 35 Jahren dabei, sagt: «Seit ich da bin.» Ergo seit Jahrzehnten.
Klar, die Mutter aller Fragen stellt sich gleich zu Beginn, wenn jemand das Fundbüro aufsucht: «Wo genau haben Sie die Schlüssel verloren, wo hatten Sie sie letztmals?» Oder das Portemonnaie. Oder das Handy. Oder sonst etwas Unentbehrliches. Oftmals ist es so, dass das Verlieren nicht auf Gemeindegebiet passiert. Was dann? «Wir sind mit anderen Fundbüros vernetzt, können uns auf einer Plattform austauschen.» Das gilt auch mit grösseren Unternehmen wie die SBB, Bernmobil, Coop oder Migros. Der Wille in Köniz ist spürbar, den Leuten helfen zu wollen. Das können sie aber auch selbst, nämlich mit der öffentlich zugänglichen Plattform www.easyfind.ch, wo sowohl verlorene als auch gefundene Gegenstände zu sehen sind. Übrigens: Wirklich Wertvolles, wie soeben erwähnt, wird rasant abgeholt, wenn es denn gefunden und abgegeben wurde.
Fairness gegenüber Findern
Es komme «nicht alle Tage» vor, dass jemand beim Fundbüro in Köniz vorbeischaue, sagt Sven Montgomery. Völlig anders sieht es beim respektive nach dem Gurtenfestival aus, da gibt es für die Polizei einiges zu tun. Bis zu 12 Bananenschachtel grosse Kartons werden da abgeliefert, meistens (verdreckte) Kleider, denen aber offenbar niemand mehr nachtrauert. Aus diesem Grund werden diese T-Shirts und Pullis nach einer gewissen Zeit entsorgt, bevor sie zu schimmeln beginnen. Es gilt aber auch hier: Ein Jahr werden die Fundsachen gehütet, bei Schmuck und wertvollen Uhren sind es fünf Jahre. Und was passiert dann? «Im Prinzip kann die Finderin oder der Finder Anspruch erheben.» Heisst: Er oder sie kann den Gegenstand für sich beanspruchen. Und wenn jemand inzwischen das Fundgut abgeholt hat, gibt es da einen Finderlohn? «Ja, das ist üblich, zehn Prozent, sofern sich der Verlust beziffern lässt», bei Schlüsseln ist das zum Beispiel nicht möglich. «Fairness dem Finder gegenüber ist da gefragt.»
Eher merkwürdige Funde
Die Frage nach Kuriosem drängt sich förmlich auf. Und siehe da: Ein Herr, auf Seniorenausflug, hat auf einer Bank im Liebefeldpark sein Gebiss vergessen. Es wurde abgegeben – und abgeholt. «Vermutlich hat es der Mann spätestens dann gemerkt, als er etwas essen wollte», schmunzelt Sven Montgomery, «Toll. Hat das geklappt.» Apropos Liebefeldpark: Da wurde auch ein Paar sehr gut erhaltene Ski vergessen, dabei gibt es dort gar keine FIS-Rennen… Sven Montgomery ist mit den Skiern auf dem Foto zu sehen und stellt klar: «Da kann man uns nicht einfach anrufen und behaupten, die Skis würden einem gehören, da gilt es vorher schon einige Fragen zu beantworten.» Marke? Wo gekauft? Passen die Schuhe in die Bindung? Und, und, und…
Keine Auktion
Bei Fluggesellschaften ist es nicht unüblich, dass nach einem Jahr mit den nicht abgeholten Koffern Auktionen veranstaltet werden. Gleiches gilt bei Schiffcontainern, wie man im Privat-TV verfolgen kann. Thema in Köniz? «Nein», sagt unser Gesprächspartner, «wir haben das einmal gemacht, Aufwand und Ertrag standen im krassen Gegensatz.»
Die letzte Frage, wer denn die Grande Boucle, die Tour de France, heuer gewinnen wird, beantwortet Sven Montgomery – übrigens nicht mit Marschall Bernard Montgomery von Alamein verwandt (Oldies wissen Bescheid) – sehr spontan und abschliessend: «Jonas Vingegaard.» On verra, wie der Franzose sagt.