Gleich zu Beginn eine leise Enttäuschung, denn Zora hat keine roten Haare. Dennoch geht es um ein Buch, wenn auch nicht für Kinder. Aber der Reihe nach.
Win-win-Situation
Zora Tschan ist in der Blinzern in Köniz aufgewachsen, einem multikulturellen Quartier. Die frühen und positiven Begegnungen mit den verschiedenen Kulturen haben sie geprägt und sie schliesslich zum Buchprojekt als Maturaarbeit bewogen. Die Erstauflage von 100 Exemplaren war rasch vergriffen, trotzdem bekunden immer noch Leute Interesse am Buch. Das brachte die junge Frau auf die Idee, das Buch nachzudrucken und mit einer Spendenaktion zu verknüpfen. Der Verkaufspreis von 39 Franken deckt zur Hälfte die Produktionskosten, der Rest fliesst vollumfänglich als Spende in den Verein Ziegler-Freiwillige.
Integration als Mittelpunkt
Dieser zählt ungefähr 200 Mitglieder und versteht sich als Bindeglied zwischen der Bevölkerung rund um das ehemalige Zieglerspital und geflüchteten Menschen. Der Verein unterstützt die Freiwilligen in ihrer Eigeninitiative und koordiniert die Aktivitäten. So bietet er unter anderem ein Begegnungscafe, Kurse, Veranstaltungen, kostenlose Deutschkurse und eine Werkstatt, die als interkultureller Begegnungsort und kreatives Atelier dient, an. Wer Mitglied des Vereins werden möchte, wendet sich an hc.egilliwierf-relgeiz@ofni. «Ich habe mir überlegt, welches Projekt ich unterstützen könnte und mich für den Ziegler-Verein entschieden, da er lokal arbeitet und es eine Vorstufe zur Integration ist. Genau das, worum es in meinem Buch geht», erklärt die Könizerin.
Das Buch
Gute Nachbarschaft geht durch den Magen – Integration auch. Das spezielle und persönliche Kochbuch ist eine Hommage an das Quartier und seine Bewohnerinnen und Bewohner. Es beinhaltet 15 Portraits von Familien aus der ganzen Welt, jeweils mit einem typischen Rezept aus dem entsprechenden Land. Gespickt ist das Buch mit kurzen Hintergrundinformationen zu politischen, religiösen oder kulturellen Eigenheiten der einzelnen Länder. Stimmt: In den letzten 3 Jahren haben sich im multikulturellen Mikrokosmos zum Teil die Familienverhältnisse verändert, Leute sind weggezogen, andere sind neu dazugekommen. «Aber das, was die Blinzern ausmacht – gelebte Solidarität und Integration – hat Bestand», fügt Zora Tschan an.
Engagiert, über
Integration hinaus
Das Interesse der jungen Frau geht weit über ein Kochbuch oder die Integration von Geflüchteten hinaus. Bei gewissen Themen – zum Beispiel beim Klimawandel – gibt sie klare Statements zu ihren Vorstellungen ab. Sportlich ist die 20-Jährige auch noch. So spielt sie bei den «Panthers Bern» Ultimate Frisbee. «Keine Scheibe ist für Zora verloren, auch wenn sie noch einen Vollsprint hinlegen muss. Egal, wie viele Mal man ihr sagt, ‹Sandwich-Catches› sind sicherer, sie holt auch unpräzise Pässe locker mit der Hand», loben ihre Mitspieler sie. Eine Frau mit vielen Talenten und Interessen.