Diesmal wird er zum Chateaubriand eingeladen

Diesmal wird er zum Chateaubriand eingeladen

Als Lucas Wallmark Gottéron in der Verlängerung des siebten Finalspiels zum Meister schiesst, bricht im Freiburger Fanblock in Davos grenzenloser Jubel aus. Zwei Fans erzählen von Chaos, Tränen – und Andrei Bykov als Nerventrainer.

«Ich bin ein Ur-Fan», sagt Markus Fasel. Als Oberstufenschüler sieht er am 4. März 1980 «per Zufall» – so erinnert er sich – das Spiel des HC Fribourg-Gottéron am Fernseher, das dem Club den Aufstieg ermöglicht. «Sie gewannen 6:0 gegen Zürich. Da hat es mich und meinen jüngeren Bruder gepackt.» Seit 1986 besitzt Fasel – mit wenigen Unterbrüchen – ein Saisonabonnement. Die Brüder verpassen kaum ein Heimspiel und reisen auch regelmässig auswärts mit.

Jedes Jahr die Wette verloren
Was die Beziehung von Fasel zu Gottéron über die Jahrzehnte prägt: sein Optimismus. «Vor vielen Jahren wettete ich das erste Mal gegen einen Kollegen auf den Freiburger Meistertitel. Der Verlierer muss den anderen zu einem Chateaubriand-Essen einladen. Jahrelang bezahlte ich. Aber nun werde ich eingeladen.» Auch eine zweite, bereits etwa 20 Jahre alte Wette wird er einlösen und sich einen Drachen oder den Gottéron-Schriftzug stechen lassen – sein erstes Tattoo.

«An diesem Abend flossen Tränen»
Tickets fürs siebte Finalspiel? Die interessieren den «ewigen Optimisten» zunächst gar nicht. «Ich dachte, wir sind schon vorher Meister.» Doch dann ergattert er eines, reist in einem Horner-Bus ins Graubünden und landet zuerst im Stau. «Wir liefen gerade zum Start des zweiten Drittels ins Stadion», erinnert er sich. NebenAndrei Bykov, Reto Berras Frau und Hubert Waeber verfolgt er das Spiel. Die Nerven im Freiburger Block liegen blank, doch sein Optimismus trägt ihn. «Als in der Nachspielzeit die Strafe gegen Davos kam, sagte ich: ‹Voilà, das ist es.›» Nach dem Siegtreffer hält es im Freiburger Block niemanden mehr. «Ich bin kein Typ, der schnell weint. Aber an diesem Abend flossen die Tränen.» Zurück in Freiburg feiert Fasel bis zum nächsten Abend. Erst knapp 24 Stunden nach dem Siegtreffer wischt Fasel die blau-weisse Schminke aus dem Gesicht und fällt ins Bett. Am nächsten Morgen steht er bereits wieder in Freiburg an der Meisterfeier. Das «Abi» für die nächste Saison ist gekauft. Und glaubt man dem ewigen Optimisten Fasel, kann es nur eines geben: die Titelverteidigung.

«Bykov versuchte, mich zu beruhigen»
Joël Aeby ist mit Hockey aufgewachsen. «Wir schauten schon immer mit meinem Vater Eishockey, am TV oder live im Stadion», erzählt der Tafersner. Dank seiner Talentcard konnte der U16-Spieler von Floorball Fribourg letztes Jahr manchmal Gottéron-Spiele besuchen. Inzwischen ist er längst auf der Warteliste für ein ersehntes Saisonabonnement. Nach dem sechsten Finalspiel, als klar ist, dass es zur «Belle» in Davos kommt, erstehen sein Kollege und er zwei Billette. «Im Car herrschte eine super Stimmung», erzählt er. Fast alle Freiburger Cars treffen gleichzeitig ein. Gemeinsam strömen die Fans in den Gästeblock. «Die Stimmung war ‹hölle› gut.» Es sei ihm und auch den meisten anderen klar gewesen, dass Freiburg den Titel holt. Warum? «Die Mannschaft hat sich den Titel verdient, der ganze Club. Und auch für Sprunger war es der perfekte Karriereabschluss.» Als es in die Verlängerung geht, ist Aeby richtig «hibbelig», wie er sagt. «Neben mir war Bykov – er hat versucht, mich zu beruhigen.» Dann fällt das Tor. Im Block bricht Chaos aus. «Bykov ist in Tränen ausgebrochen.» Man habe kaum glauben können, dass es passiert sei.

«Immer noch ein Hochgefühl»
Bis tief in die Nacht bleiben Aeby und die anderen Freiburger Fans in Davos. «Wir sangen, bis der Pokal kam, machten für jeden Spieler eine Welle.» Auch auf der Fahrt zurück herrscht dank der grossartigen Stimmung keine Müdigkeit. Die Cars treffen rund eine halbe Stunde vor der Mannschaft bei der Arena ein. «Wir sangen die ganze Zeit», schaut der bald 16-Jährige zurück. An der Meisterfeier laufen er und seine Kollegen dem Camion mit der Mannschaft hinterher. Jetzt, drei Wochen später, hat Joël Aeby das Erlebte immer noch nicht ganz verdaut: «Es dauert ‹doll› lange, zu realisieren, was eigentlich passiert ist – und dass ich dabei sein durfte. Es ist immer noch ein Hochgefühl.»

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