Ein Glas Thörishaus, bitte

Ein Glas Thörishaus, bitte

Bielersee, Thunersee, Thörishaus. Im Kanton Bern wachsen auf 252 ha Reben zu Wein heran. Knapp zwei davon stehen seit wenigen Jahren in Thörishaus. Doch die haben es in sich. Bereits der erste Weinjahrgang von Peter Herren lässt aufhorchen. Das hat diese Zeitung schon bei der Erstverkostung und der Namenstaufe «3174» festgestellt. Nun prämiert der Kanton Bern seine besten Weine. Der Thörishauser Neowinzer gewinnt gleich in zwei Kategorien, in der dritten belegt er Rang drei.

Es gibt Auszeichnungen, die riechen und schmecken besonders gut. Bei der Wahl der Berner Winzerinnen und Winzer des Jahres zum Beispiel. Der Berner Wein muss sich längst nicht mehr verstecken. Im Gegenteil: Er ist zu einem Botschafter des Kantons gereift.

Klasse statt Masse
«Ich habe mich richtig auf diesen Tag gefreut. Ich bin ja noch Weindirektor – das ist super», sagt Regierungsrat und Wirtschaftsdirektor Raphael Lanz. Dass er bis vor wenigen Tagen Präsident einer Brauerei gewesen sei und zudem einem Weinclub angehöre, mache die Sache vielleicht nicht einfacher. Doch Konkurrenzdenken will Lanz gar nicht erst aufkommen lassen. «In der Politik ist es nie gut, Themen gegeneinander auszuspielen. Das gilt auch für Bier und Wein.» Beide seien flüssige Kulturgüter, hinter denen viel Leidenschaft, Herzblut und unzählige Arbeitsstunden stecken. Dass sich diese Leidenschaft auszahlt, zeigt der Jahrgang 2025. Nach einem kühlen Frühling und einem gelungenen Sommer seien fruchtbetonte und elegante Weine entstanden. Für Lanz ist klar: «Der Berner Wein ist kein Massenprodukt. Wir müssen mit Qualität punkten – und die ist vorhanden.» Wer Berner Wein trinke, bekenne sich gleichzeitig zur Region. Das passt zu einer Weinbranche, in der ein grosser Teil der Produktion direkt bei den Konsumentinnen und Konsumenten landet und persönliche Begegnungen ebenso wichtig sind wie der Inhalt der Flasche.

Mehrfach ausgezeichnet
«Unsere Siegerweine sind Botschafter unseres Kantons – vielleicht sogar bessere als wir Politiker», meint Lanz schmunzelnd. An offiziellen Anlässen werden genau diese Weine ausgeschenkt und tragen den Namen Bern weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Diese Ehre kommt künftig auch den Weinen von Peter Herren zuteil. Denn er erhält gleich drei Auszeichnungen. Mit dem Weisswein aus der Sauvignac-Traube wird er Winzer des Jahres in der Kategorie PIWI-Sorten und belegt den dritten Rang bei den Weisswein-Spezialitäten. In der Kategorie Rosé wird Herren mit seinem Wein aus Pinot-Noir- und Divico-Trauben abermals Berner Winzer des Jahres. Das lässt nicht nur die Kantonsvertreter und den Regierungsrat aufhorchen, sondern auch die anderen Winzer aus der Bielersee-Region. Herren ist von dieser Ehrung fast ein wenig ergriffen: «Wenn ich sehe, wie viele hervorragende Winzerinnen und Winzer es im Kanton Bern gibt, erfüllt es mich mit grossem Respekt, diesen Preis entgegennehmen zu dürfen.»

Terroir und Savoir-faire
Während andere ein Leben lang auf solche Lorbeeren hinarbeiten, räumt nach vier Jahren Arbeit schon der erste Jahrgang aus dem kleinen Weingut «3174» drei Preise ab. Wie ist das möglich? Das liegt daran, dass drei entscheidende Faktoren zusammenkommen. Erstens hat Herren erkannt, dass sich die Südlage auf seinem Land bestens für den Rebbau eignen könnte, zumal sein Nachbar bereits mit Wein experimentierte und dank ihm die Zone in den Weinbaukataster aufgenommen wurde. «Weinbau war in Thörishaus schon vor 150 Jahren ein Thema», weiss er, fasst sich ein Herz und wagt mutig das Experiment, hier wieder Wein zu kultivieren. Zweitens überlässt Herren nichts dem Zufall und weiss als Gemüsebauer, wie wichtig Pflege und Verarbeitung sind. Er selbst versteht es, auf der Parzelle die Reben zu hegen und zu pflegen. Für die Vinifikation holt er sich Hilfe bei einem der besten Winzer der Schweiz: Lorenz Hämmerli. Dieser fermentiert und filtert mit viel Bedacht. Vor allem Letzteres zögert er lange hinaus, damit möglichst viel aus der Traube auch wirklich im Glas landet. Ein Kunsthandwerk, das er zweifelsohne beherrscht. Drittens darf vermutet werden, dass Herren auf eines der besten Terroirs im Kanton zählen darf: Sandsteinboden. Gepaart mit der Südlage und einem Mikroklima mit mehr Sonnenstunden als die unmittelbare Umgebung finden die Trauben hier besondere Voraussetzungen. Mit Blick auf bekannte Terroirs wie im Vully, Toskana oder Elsass, darf man feststellen, dass jenes in Thörishaus ganz ähnliche Bedingungen erfüllt. Mut, Terroir und Savoir-faire kommen in Thörishaus zusammen.

Doch abheben und ein Château bauen wird Herren deswegen nicht. Im Gegenteil. Vielleicht lautet das eigentliche Erfolgsrezept des Berner Weins und von ihm selbst: Man will niemanden übertrumpfen, sondern lieber im Glas überzeugen. Authentisch, regional und mit Menschen dahinter, die ihre Reben mit Herzblut pflegen. Und wenn dabei sogar ein Regierungsrat ins Schwärmen gerät, dürfte das ein weiteres Zeichen dafür sein, dass dieser Weg zu vielen weiteren guten Jahrgängen führen wird. Doch vorerst heisst es: «Ein Glas Thörishaus, bitte.»

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