Ein Trassee spaltet die Gemüter

Ein Trassee spaltet die Gemüter

Rund hundert Personen kommen Anfang März zu einer Informationsveranstaltung und lassen sich das Vorhaben für die Neugestaltung der Strecke Morillon – Sandrain von den zuständigen Behörden vorstellen. Freud und Leid in einem Raum vereint.

Im grossen Saal des Hotels Ambassador braucht es zusätzliche Stühle: Das Interesse der Bevölkerung am 50-Mio.-Franken-Projekt in ihrer Gemeinde ist gross.

Bekannte Themen sorgen für neue Furore

Wo Velofahrer, Fussgängerinnen, Automobilisten und der öffentliche Verkehr mit oder nebeneinander unterwegs sind, entstehen oft Interessenkonflikte. Das ist nicht neu, sorgt aber immer wieder für Diskussionen zwischen den Beteiligten. Hinzu kommen die Bedürfnisse der Anwohnerinnen und Anwohner, die über längere Zeit von den baulichen Massnahmen betroffen sind. Dies gestaltet die Planung äusserst anspruchsvoll. Ob mehr Platzbedarf, Tempolimits, Lärmbelastung, Barrierefreiheit oder gar Sicherheitsfragen – ein Projekt in dieser Grössenordnung ist mit unterschiedlichsten Anforderungen konfrontiert. Das Strassenbauprojekt «Morillon – Sandrain» hat wohl bereits den einen oder anderen Kopf zum Qualmen gebracht.

Sicheres Velofahren und vernetzte Quartiere

Ein grosses Thema ist die fehlende Veloinfrastruktur auf der rund einen Kilometer langen Strecke. Künftig wird der Veloverkehr auf der gesamten Strecke vom restlichen Verkehr abgetrennt und hinter den Tramhaltestellen geführt. Auch für die Fussgänger werden die Wege sicherer und direkter gestaltet, was zusätzlich zu einer besseren Vernetzung der Quartiere führt. Dazu sind eine neue Fusswegverbindung entlang der Bondelistrasse und weitere Fussgängerstreifen nötig.

Das Tram fährt im selben Takt

Neu angedacht ist die Verkehrsführung des Trams im Mischverkehr. Das bedeutet, dass das Tram stadteinwärts die Fahrspur mit den Autos teilen wird. Das Eigentrassee Richtung Wabern bleibt bestehen, muss aber zwingend saniert werden. Hinzu kommt eine neue Betriebswendeschlaufe auf Höhe Sandrain. Die Linie 9 wird somit trotz der Aufhebung der Schlaufe in Wabern bis zum Ende des Projekts über drei Betriebswendeschlaufen verfügen. Dies sorgt bei Störungen wie Unfällen, Baustellen oder Staus für ein stabileres Netz, da aktiv reagiert werden kann. Die Effizienz bleibt dank gleichem Takt, optimiertem Ampelsystem und der Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge erhalten. Ein weiteres Thema sind die vorhandenen Haltestellen, die zum heutigen Zeitpunkt keine Barrierefreiheit gewährleisten.

Uneinigkeit beim Tempolimit für den Autoverkehr

Für hitzige Diskussionen sorgt das geplante Tempo 30 auf der gesamten Strecke. Was für die Autofahrer sichtlich ein Ärgernis ist, freut die Anwohner: Derzeit überschreiten die Lärmemissionen bei 30 Gebäuden die gesetzlichen Grenzwerte. Die Lärmschutzverordnung wird somit aktuell nicht eingehalten, und es sind zwingend Massnahmen erforderlich. Durch die Temporeduktion sind es am Ende nur noch zwei Gebäude, die durch zusätzliche Massnahmen entlastet werden müssen.

Bäume und Hecken tragen zu einem attraktiven Ortsbild bei

Dass rund 60 Bäume sowie einige Hecken aufgrund der baulichen Massnahmen gerodet werden, gefällt nicht allen Zuhörerinnen und Zuhörern. Jedoch werden im Verlauf der Neugestaltung rund hundert neue Bäume gepflanzt. Zur Aufwertung der Quartierbereiche wird, wo immer möglich, begrünt. Böden sollen nur noch dort versiegelt werden, wo es zwingend nötig ist. Das heutige Eigentrassee des Trams ist zwar begrünt, aber nicht entsiegelt. Die künftig neuen Mehrwertstreifen werden hingegen alle wasserdurchlässig gestaltet.

Eine Grossbaustelle ist nicht zu vermeiden

Dass ein Projekt wie dieses eine grosse Baustelle mit sich bringt, ist nicht zu umgehen. Auch sind Bereiche wie Fernwärme und die zwei weiteren Projekte «Sanierung Zentrum Wabern» und «Tram Kleinwabern» zu koordinieren. Was dereinst mit der Tramendstation in Wabern passiert, ist noch unklar. Die drei Bauphasen dauern maximal zwei Jahre und betreffen auch die wichtigen Knotenpunkte Monbijoustrasse, Schönegg und Sandrain. Während der zweiten und dritten Bauphase wird das Tram durch Busse ersetzt. Die Umleitung des Strassenverkehrs über die Bondelistrasse macht den betroffenen Anwohnern Sorgen. Weitere Auswirkungen auf angrenzende Strassen und Zufahrten werden derzeit vom Projektteam noch geprüft.

Es liegt auf der Hand, dass ein Projekt wie dieses noch zu einigen Diskussionen führen und zu reden geben wird. Doch solange auf alle Interessen gehört wird, könnte dereinst auch der Verkehr aller Teilnehmenden wieder fliessen.

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