Erhalt der regionalen Identität

Erhalt der regionalen Identität

Der Verein Kultur Natur Deutschfreiburg (KUND) feiert einen besonderen Meilenstein: Seit hundert Jahren setzt er sich für die kulturelle Identität, die Natur, die Landschaft und die Sprache des deutschsprachigen Teils des Kantons Freiburg ein – und ist nebenbei sogar Burgbesitzer. Eine grosse Jubiläumsfeier gab es nicht, doch im Juni realisierte der Verein gemeinsam mit dem Theater Hintercher ein Projekt, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Deutschfreiburg auf die Bühne brachte.

«Dass es den Verein schon 100 Jahre gibt, ist ein Erfolg», sagt Franz-Sepp Stulz, Präsident von KUND. Die lange Geschichte des Vereins ist eng mit zwei Vorgängerorganisationen verbunden: dem 1926 gegründeten Deutschfreiburger Heimatkundenverein (HKV) und der später gegründeten Deutschfreiburgischen Arbeitsgemeinschaft (DFAG). Beide verfolgten ähnliche Ziele, beide engagierten sich für Sprache, Kultur sowie Landschaft und beide hatten zum Teil dieselben Mitglieder. Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden, fusionierten die beiden Vereine und wurden zu Kultur Natur Deutschfreiburg: einer Organisation, die die Kräfte bündelt und die Anliegen der deutschsprachigen Minderheit im Kanton Freiburg in den Vordergrund rückt.

Sprachpflege als Kernauftrag
Im Kanton Freiburg ist Deutsch in der Minderheit. KUND setzt sich dafür ein, dass es nicht in den Hintergrund gerät. Das Engagement in der Sprachenfrage umfasst die Hochsprache, die Zweisprachigkeit und die Dialekte. Der Verein beschäftigt sich mit alltäglichem Sprachgebrauch sowie mit der Literatur und dem Liedgut der Gegend. Besonders relevant in diesem Bereich sind beispielsweise die beiden Wörterbücher, die der Verein herausgegeben hat: das Seislerdeutsche und das Jaundeutsche Wörterbuch. Sie dokumentieren regionale Sprachformen, die auf diese Weise nirgendwo sonst festgehalten sind. Die Sprache ist Trägerin der regionalen Identität, und ihr Erhalt bedeutet auch den Erhalt von Geschichte, Tradition und Zugehörigkeit.

Ein zweites Standbein
Franz-Sepp Stulz engagiert sich seit 2014 als Präsident für den Verein. Früher war er beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) als Abteilungsleiter im Bereich Natur und Landschaft tätig. Diese frühere Rolle kommt ihm in seiner heutigen Position zugute. Der Verein organisiert sich in vier Arbeitsgruppen, die sich den Hauptthemen Sprache, Kultur, Natur und Landschaft widmen. Sie setzen sich für Landschafts- und Ortsbilder sowie für den Natur- und Heimatschutz ein. Seit 1929 ist KUND im Besitz der Burg-
ruine Obermaggenberg, der einzigen erhaltenen Burganlage des Sensebezirks. Auch das Sensler Museum gäbe es ohne den Verein wohl nicht: Die Idee eines Heimatsmuseums wurde von KUND über Jahrezehnte vorangetrieben und führte 1975 zur Gründung des Museums.

Publikationen, Preise und Projekte
Jedes Jahr veröffentlicht der Verein mindestens eine grössere Publikation, mal ein Sagenbuch, mal ein Kinderbuch, mal ein historischer Band über die Region. Die Themen wechseln, doch immer geht es um relevante Aspekte von Deutschfreiburg. Mit über 200 Publikationen wurde ein grosses Wissensarchiv geschaffen. In unregelmässigen Abständen vergibt der Verein zudem Preise in den Bereichen Kultur, Zweisprachigkeit und Landschaft. Dafür recherchiert der Vorstand selbst, welche Institutionen, Projekte oder Einzelpersonen eine besondere Anerkennung verdienen. Ein grosser Erfolg dieses Jahres war ausserdem das gemeinsame Theaterprojekt mit dem Theater Hintercher. Das Stück, das sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Deutschfreiburg befasste, war äusserst beliebt. So beliebt sogar, dass die Produktion nächstes Jahr nochmal gezeigt wird.

Die Zukunft des Vereins
Die Anzahl der Mitglieder ist in den letzten zehn Jahren tendenziell rückläufig. Es gibt laut Franz-Sepp Stulz mehr Austritte, als Neueintritte, was ihm ein wenig Sorgen bereitet: «Es stellt sich schon die Frage, wie es weiter geht. Gibt es den Verein in 20 oder 50 Jahren noch?». KUND lebt hauptsächlich von den Mitgliederbeiträgen. Die Herausforderung bestehe darin, weiterhin Menschen für den Verein zu gewinnen. Gerade deshalb ist die Arbeit des Vereins heute so wichtig. Durch ihn werden immaterielle und materielle Kulturgüter sichtbar, geschützt und gepflegt – von der Sprache über die Landschaft bis zu historischen Orten wie der Burgruine Obermaggenberg oder dem Sensler Museum. Diese Orte sind Zeugnisse der regionalen Identität und zeigen, wie viel der Verein für Deutschfreiburg bewahrt hat und weiterhin bewahrt.

Kontakt

Datenupload

Der einfachste Weg uns Ihre Daten zu senden!

Werbeberatung

Step 1 of 2