Erst die Firma, dann die Marke

Erst die Firma, dann die Marke

Die Zbinden Mauss AG sowie die Garage + Carrosserie Rüfenacht AG sind zwei Traditionsbetriebe, die sich im Umbruch-Orkan der Autobranche nicht nur behaupten, sondern sogar vorwärtsgehen. Nicht nur wegen der guten Marken, wie ein Gespräch zeigt, sondern weil es in der regionalen Wirtschaft um Werte geht. Und um Velounterstände – doch dazu später mehr.

Etwas verbindet Fredy Rüfenacht und Simon Grau sowie seinen Geschäftsleitungskollegen Stefan Aebersold: die Querelen mit dem Kanton im Zusammenhang mit ihren Bauvorhaben im Industriegebiet Heggidorn. Die Begrüssung ist entsprechend herzlich, aber auch kurz. Satte drei Meter breit soll da eine Wildhecke werden, so will es der Kanton. Gemeinsames Kopfschütteln, bis schliesslich die Frage aufkommt, wie viele Velounterstände sie jeweils bauen müssen. Velounterstände? Für das neue Autohaus der Zbinden Mauss AG und für die Autowaschanlage MR Washcenter AG wo Fredy Rüfenacht beteiligt ist? Jawohl – und zwar mit Dutzenden und Aberdutzenden von Plätzen. 50 Stück an der Zahl. Es klingt so absurd, dass es schon wieder lustig wäre, sofern man die Zusatzkosten ausblendet. «Bauen ist schwierig in diesem Kanton», resümiert Grau und erntet von Rüfenacht emsiges Nicken.

Steine im Weg statt freie Fahrt

Klar, die verschiedenen Verwaltungen – «von manchen habe ich vorher noch nie gehört», ergänzt Rüfenacht – befolgen Gesetze und Reglemente. «Aber was mir fehlt, ist der gesunde Menschenverstand. Das Gewerbe im Einzelnen wird nicht angeschaut. So entstehen dauernd hohe Hürden für die KMU, die hier Arbeitsplätze schaffen und junge Menschen ausbilden», sagt Grau und wird von Rüfenacht bestärkt: «Die Bürokratie ist wahrlich mühsam in Bern. Nicht aber die Gemeinde. Mühleberg ist dem Gewerbe gut gesinnt, und das spüren wir in jedem Moment.» Bestes Beispiel ist die Industriezone Heggidorn, für welche die Gemeinde lange gekämpft hat. Nicht für Wohnland, sondern für Gewerbeland. Es erinnert ein wenig an die Schneeräumung, wo die örtlichen Landwirte auf dem Land die Gemeindestrassen oft schnell befreien, damit die Menschen gut zur Arbeit kommen. Meist aber nur bis zur ersten Kantonsstrasse – dort liegt er dann plötzlich wieder, der Schnee und Matsch.

Autos gibt es immer

Das Automobilgewerbe hat auch ohne Bürokratie bewegte Zeiten. Die Elektrifizierung, die Strafzölle bei den CO2-Emissionen, Importzölle oder die Marken selbst, die sich positionieren, fusionieren und nicht selten immer strengere Auflagen an die Garagen machen. Und dann kommen politische Bewegungen, die das Auto gänzlich von der Strasse radieren wollen. Letzteres würde wohl niemandem in den Sinn kommen, der ländlich lebt. «Was mich stört, sind Politiker, die das eine gegen das andere ausspielen. Es braucht alles, vom öV über das Auto bis zum Velo, sonst würde es nicht gehen», fasst Grau zusammen. Im ländlichen Gebiet ist das Auto existenziell. Und das spüren die beiden Garagen. Die Nachfrage ist ungebrochen. «Was hilft, ist, dass die Autobranche vorwärtsgemacht hat. Vom elektrischen Antrieb über den Hybrid bis zum Verbrenner – für jede Anforderung gibt es das richtige Auto.» Verbrenner sind also nach wie vor gefragt. «Ich habe zwei Firmen mit Aussendienstlern, die 50’000 km im Jahr zurücklegen. Die setzen nach wie vor auf den Dieselmotor», nennt Rüfenacht ein Beispiel. Grau weiss, weshalb viele den Schritt in die Elektrifizierung noch nicht wagen: «Das Laden bereitet ihnen Sorgen. Wie geht das unterwegs? Brauche ich da verschiedene Apps und Karten? Das wirkt schnell mühsam.» Sein Kompagnon Rüfenacht weiss, was es braucht: «Unkomplizierte Ladestationen überall – Karte hinhalten und gut ist. So könnten auch Mieterinnen und Mieter problemlos elektrisch unterwegs sein.» Die Zahlen beweisen es: Die Elektrifizierung der Autos hinkt den Bundeszielen hinterher. Zwischen Verbrenner und Elektro steht der Hybrid. Er ist derzeit für viele das probate Mittel.

Toyota, Opel, Kia

Und wer Hybrid sagt, der sagt oft auch gleichzeitig Toyota. Seit 1997 kennt sich der japanische Weltkonzern mit dieser Technologie aus und hat klar die Nase vorn. Doch bei den rein elektrischen Antrieben hat die Marke noch wenig lanciert. «Das ist typisch für Toyota. Man wartet lange zu und kommt erst auf den Markt, wenn etwas wirklich gut und verlässlich funktioniert», weiss Grau über die Hausmarke von Zbinden Mauss. Ganz anders sieht es bei Opel und Kia aus, die bei der Garage + Carrosserie Rüfenacht zuhause sind. Opel hat als eine der ersten Marken vieles elektrifiziert und bietet verschiedene Antriebe je Modell an. Kia hat sich im Elektromarkt schnell einen guten Ruf verschafft. «Die Strategie von Kia ist vielversprechend. Die Modelle sind wirklich gut, vor allem dank der guten Reichweiten (über 500 km). Die verkaufen sich gut.» Die beiden Mühleberger Garagen sind mit ihren Marken eng verknüpft – historisch gewachsen. Wer Zbinden Mauss sagt, denkt an Toyota, und wer Rüfenacht nennt, sieht das Opel-Logo vor dem geistigen Auge – und immer mehr auch dasjenige von Kia. Rüfenachts Garage feierte letztes Jahr ihr 75-jähriges Bestehen, Zbinden Mauss ihr 60-jähriges. Und fast genauso lange sind deshalb Opel und Toyota mit diesen Häusern verbunden.

Jawohl, die Marken sind mit den Häusern verbunden – und nicht nur umgekehrt. Denn die Garage + Carrosserie Rüfenacht sowie die Zbinden Mauss AG sind selbst längst zu Marken geworden. Weit über Mühleberg hinaus. Mittelgrosse Autohäuser, bei denen man die Kunden noch persönlich kennt, berät und für sie da ist. «Menschen für Menschen», fasst es Grau kurz zusammen. Und das macht die beiden so stark: Hingabe und Herzblut, oft auch gemeinsam. «Wir haben Kunden, die bei uns beiden sind», weiss Fredy Rüfenacht und freut sich darüber. Dass sich die beiden Unternehmer mögen, ist kein Geheimnis – es ist offensichtlich. Wichtig ist: «Kauf dein Auto in der Region», meint Simon Grau zum Schluss. Die Kundschaft aus der ganzen Region tritt den Beweis an, wie wichtig diese Werte sind. Erst die Firma, dann die Marke. 

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