«Als Gesellschaft müssen wir den Umstieg schaffen, um CO2-neutral zu werden. Für Köniz ist der Weg nicht einfach. Wir haben kein eigenes Energieunternehmen», sagt Gemeindepräsidentin Tanja Bauer (SP). Die Gemeinde will bis 2045 das Ziel Netto-Null erreichen, die Verwaltung gar bis 2035. So haben Gemeinderat und Parlament dies im Klimareglement niedergeschrieben. «47 % des CO2-Ausstosses in Köniz verursacht das Heizen», zeigt Gemeinderat Hansueli Pestalozzi (Grüne) auf einer Grafik. Deshalb will Köniz besonders in diesem Bereich Abhilfe schaffen. Aufgrund des fehlenden eigenen Energieunternehmens «geht das nur mit einer Zusammenarbeit», so Bauer weiter.
ewb – ein Wunschpartner
Doch die Miene der Gemeindepräsidentin erhellt sich bei diesen Worten, denn neben ihr sitzt Cornelia Mellenberger, CEO von ewb (Energie Wasser Bern). Nicht aus Zufall. Köniz und ewb haben zur Medienkonferenz eingeladen. «Die ewb will die Energiewende aktiv mitgestalten und leistet mit umfassenden Massnahmen einen grossen Beitrag zur CO2-Reduktion im Wärmesektor», richtet die CEO-Frau ihre Worte an die Medienschaffenden. Dann schwenkt ihr Blick zur Gemeindepräsidentin und sie fährt fort: «Dieses Projekt hier reiht sich in die Strategie ‹Versorgungssicherheit und Energiewende› der Stadt Bern ein. Es freut uns, dass wir mit der Gemeinde Köniz eine Partnerin haben, die uns hilft, diese Ziele zu erreichen. Der Wärmeverbund Bern-Wabern ist ein ideales Projekt, gemeindeübergreifend und auf Augenhöhe. Beide bringen ihre Stärken ein.»
ewb trägt Kosten
Doch «es ist auch für uns ein grosses Projekt», gibt Mellenberger zu bedenken. Geplant ist, dass sich 5000 Wohneinheiten anschliessen können. Damit würde sich der CO2-Ausstoss um satte 10’000 Tonnen jährlich reduzieren. Der Ausbau soll 72 Mio. Franken teuer werden. Die ewb trägt die Kosten und das Risiko. Sie muss mit einer hohen Anschlussquote rechnen, damit sich diese Investition ausbezahlt. Doch die Zeichen dafür stehen gut. Bereits heute, wo erst der Zusammenarbeitsvertrag zwischen der Gemeinde und der ewb besteht, haben 30 % der Häuser, die anschliessen können, zugesagt. Selbstredend auch all jene, die im Besitz der Gemeinde stehen.
ewb findet ein cleveres System
Cornelia Mellenberger gibt den Platz frei für jenen Experten, der das Grossprojekt der ewb leiten wird: Simon Kissling. «Wir haben eine spannende Energiequelle gefunden», beginnt er mit seinen Ausführungen. Genutzt werden soll das Überschusswasser vom Wasserverbund Bern. Also Trinkwasser? Ja, aber es handelt sich dabei um keine Verschwendung, sondern um ungenutztes Wasser. In Kiesen und Uttigen sind grosse Grundwasserfassungen für das stadtbernische Trinkwasser. Dieses kann jedoch nur schlecht dosiert werden. Wird nicht die ganze Menge benötigt, fliesst beim Pumpwerk Schönau an der Aare sogenanntes Überwurfwasser oder Bruchwasser ungenutzt in die Aare. «Dieses Wasser wird heute bereits für die Stromproduktion genutzt, anschliessend in die Aare geleitet und nun nutzen wir dieses ebenfalls», erklärt Kissling. Dieses Wasser gelangt in eine Heizzentrale bei der Überbauung Morillon. Zwei grosse Wärmepumpen verteilen dieses dann über ein Netz in die einzelnen Häuser vom Weissenbühl, weiter entlang der Seftigenstrasse einmal quer durch Wabern. «Dieses System überzeugt und ist eine Investition, um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden», zieht Kissling ein Fazit.
Ab 2028 erste warme Stuben
Also alles bereit? Nicht ganz. Es folgen noch die Baueingaben, bevor dann im Jahr 2026 der erste längere Netzabschnitt gebaut werden kann. Erste Wärmelieferungen sollen im Herbst 2028 zu den Kundinnen und Kunden fliessen. Bis das ganze Netz fertiggestellt werden kann, dauert es aber noch bis voraussichtlich ins Jahr 2035. Was heute schon gilt: Köniz überträgt der ewb die operative und finanzielle Verantwortung für den Wärmeverbund Bern-Wabern, der entsprechende Zusammenarbeitsvertrag steht. Und was alle vereint: die Vorfreude. Viele Jahre Vorarbeit hat Gemeinderat Pestalozzi hinter sich. Und er verrät, was das i-Tüpfelchen auf dem Projekt ist: «Wir nutzen Synergien mit den Umbaumassnahmen bei der Seftigenstrasse.»
Die Aare führt wenig Wasser in diesen Tagen. Zeit, um das Bruchwasser beim Pumpwerk Schönau zu besichtigen. Wasser, dem schon bald eine besondere Bedeutung zukommen wird. Nicht nur dieses Wasser fliesst, auch die Bestrebungen der Gemeinde sind im Fluss. Das sei eine Blaupause für kommende Projekte, welche Köniz mit Wärmeverbundsystemen in anderen Gemeindeteilen noch realisieren will. Wahrlich verständlich, dass Tanja Bauer abschliessend meint: «Das hier ist ein Meilenstein.»