Ideenlabor fürs Dorfleben

Ideenlabor fürs Dorfleben

Das ehemalige Laborgebäude und Schulprovisorium an der Kirchstrasse ist leergeräumt. Eine IG um Thomas Getzmann setzt sich dafür ein, dass das Dorf einen Treffpunkt voller Möglichkeiten erhält.

Man stelle sich vor, es gäbe ein Gebäude mitten im Dorf, öffentlich zugänglich und mit viel Raum drinnen wie auch draussen, vielfältig gestaltet. In Neuenegg ist das nicht bloss ein Traum. Es ist eine Möglichkeit, die sich den Bürgerinnen und Bürgern bietet – sofern genug von ihnen sie packen. Einen ersten Schritt haben Thomas Getzmann und eine handvoll Mitstreiterinnen und Mitstreiter bereits gemacht.

Gekauft für Schulraum
Unterhalb der Kirche, neben den Wander-Gebäuden, steht das ehemalige Wander-Labor. Zweieinhalb Jahre lang beherbergte es Schulklassen, während nebenan das neue Schul- und Kirchenzentrum entstand. 2021 hatte die Gemeindeversammlung u. a. zu diesem Zweck den Kauf beschlossen, im vergangenen Dezember gab sie dem Gemeinderat die Berechtigung, die Liegenschaft im Baurecht an eine nicht gewinnorientierte Trägerschaft abzugeben. Bis Ende Jahr blieb die Mitte 2025 gegründete IG Laborgebäude die einzige Interessentin. Mitgründer ist Thomas Getzmann; er kennt das Haus schon länger. Beim Kauf des Gebäudes war er als Gemeinderat fürs Geschäft zuständig. «Schon damals schwebte mir für die Nachnutzung ein Projekt vor, das die Menschen der Gemeinde zusammenbringt», erzählt er bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten.

Betrieb ab 2027 angestrebt
Auf drei Stockwerken sind aus den vormaligen Laborkojen hohe, lichtdurchflutete Räume geworden. Im ehemaligen Werkraum steht noch immer eine Werkbank. Das Provisorium war eine ideale Alternative zu Schulcontainern. Wer könnte jetzt einziehen? «Wenn sich Menschen zusammentun, kann man viel aus dem Ort herausholen», ist sich Getzmann sicher. Der Neuenegger kennt sich mit Immobilien und Gebäudeinfrastrukturen sowie ihren Nutzungsmöglichkeiten aus – er ist gelernter Haustechnik-Ingenieur und heute im Facility Management tätig. Ab Januar 2027 soll die neue Trägerschaft das Gebäude selbständig betreiben. Mit der Gemeinde ist man in Abklärung, ob interessierte Nutzer bereits Mitte Jahr einziehen können. «Mich dünkt es wichtig, dass hier Leben reinkommt. Aber zuerst müssen wir eine geeignete Rechtsform finden, um handlungsfähig zu sein.» Im Raum steht die Gründung einer Genossenschaft. «Wir sind auf Mieteinnahmen angewiesen, da einiges am Gebäude erneuert werden muss», gibt Getzmann zu Bedenken. Priorität haben der Heizungsersatz, die Abtrennung von Strom und Wasser/Abwasser vom System Wander sowie ein neuer Gebäudeeingang auf Seite Kirchstrasse – aufgrund seiner Vergangenheit ist die Erschliessung für das Gebäude aufs Wanderareal ausgerichtet. Parkplätze gibt es aus demselben Grund keine. Der entlang der Kirchgasse eingedolte Wileringbach wird für den Hochwasserschutz, unabhängig vom Projekt, offengelegt – eine park-
ähnliche Umgebung im oberen Teil bietet sich deshalb an.

Co-Working, Spielgruppe, Handwerker, Yoga und Kaffeebar
Und innen? Die Liegenschaft befindet sich in der Arbeitszone, auf den 870 m² Mietfläche ist vieles möglich. «Ich stelle mir im Erdgeschoss eine öffentliche oder halböffentliche Nutzung vor», schildert Getzmann, «etwa mit einer Kaffeebar oder einer Art Markthalle, bestückt von lokalen Produzenten oder Kleinsthandwerkern». Vereine könnten sich treffen, eine Spielgruppe hätte mit dem Park viele Möglichkeiten. Oben fänden Büros, Projektteams oder Ateliers Platz. Auch Tanz, Yoga oder Therapieangebote sind vorstellbar. Im Untergeschoss könnten Kleinhandwerker eine Heimat finden, Lagerräumlichkeiten oder ein Bandraum bieten sich an. Vorsichtig lässt Getzmann durchblicken, dass vielleicht gar eine kleine Dachterrasse möglich wäre. «Das Gebäude würde stark an Attraktivität gewinnen. Wir müssen aber noch abklären, ob die Bauvorschriften dies zulassen.»

Am wichtigsten ist ihm aber, dass Menschen sich begegnen und gemeinsam etwas verwirklichen. «Wir können die Welt nicht ändern, aber zumindest im Kleinen etwas Positives bewirken.» Die Vision für diesen Ort bestehe darin, das Zusammenleben zu fördern, um die «kollektive Intelligenz» für das Gemeinwohl einzusetzen, lokales Wissen und Können für lokale Bedürfnisse und Interessen zusammenzubringen. In der IG Laborgebäude sind Frauen und Männer dabei, Junge und Ältere, mit verschiedenen Ideen. Weitere sind herzlich willkommen. Um gemeinsam herauszufinden, wie aus einem einfachen Traum eine greifbare Möglichkeit wird.

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