«Da muss man doch etwas machen.» Dieser Gedanke liess Peter Zurbrügg nicht mehr los, seit er 1999 als Gemeindevertreter im OK des Pilgertags, einem Projekt getragen von Kirche, Gemeinde, dem Regio-Plus-Programm (heute Verein Naturpark Gantrisch) und vielen Beteiligten aus der Region, in der Ruine stand. Der Ort hat eine besondere Kraft. Aus dem Gedanken wurde zusammen mit Gleichgesinnten ein Ziel, und zwei Jahre später fand der erste Klostersommer statt. Von Beginn an ging es um mehr als einzelne Veranstaltungen. Der Klostersommer sollte regionale Identität stärken, lokales Kulturschaffen sichtbar machen und Begegnungen ermöglichen zwischen professionellen Ensembles und einheimischen Vereinen sowie zwischen Stadt und Land. Diese Haltung prägt den Anlass bis heute.
Offen, aber nicht beliebig
Der Klostersommer ist über die Jahre leise gewachsen und hat sich nachhaltig in der Region verankert. Widerstände habe es kaum gegeben, erinnert sich Zurbrügg. Eher Zurückhaltung. Rüeggisberg liegt abseits, das Publikum muss bewusst kommen. «Nicht alles traf immer jeden Geschmack», sagt er. Doch der Klostersommer wurde wohlwollend aufgenommen und strahlte bald über die Region hinaus. Einen Masterplan gab es nie. «Wir haben einfach angefangen und weitergemacht.» Mit einfachen Mitteln, improvisierter Infrastruktur und viel Idealismus. Bis heute engagiert er sich im OK, verantwortlich für Programm, Werbung und Koordination, alles ehrenamtlich. Zwar gab es Wechsel, doch ein Kernteam trägt den Anlass seit vielen Jahren.
Kraut und Rüben mit System
In 25 Jahren traten rund 120 Künstlerinnen, Künstler, Bands und Ensembles in der Klosterruine auf. Viele kehrten zurück. «Viele sagen, sie hätten noch nie an einem solchen Ort gespielt», erzählt Zurbrügg. Auch wenn das Wetter nicht immer mitspielt. Dann weicht man in den Saal Bärenstutz, Kirche oder Turnhalle aus. «Bei Regen sprechen wir von irischem Wetter», sagt er schmunzelnd, passend zur Celtic Night.
Das Programm lässt sich kaum einordnen. Komödie steht neben Klassik, Blasmusik neben Familienkonzerten, Volkstümliches neben neuen Formaten. «Kraut und Rüben», beschreibt er es. «Wir passen in keine Schublade.» Es darf speziell sein, aber nicht zu experimentell. Mit rund 150 Sitzplätzen oder bis zu 300 ohne Bestuhlung bleibt der Rahmen bewusst klein.
Weitergeben statt wachsen
Der Klostersommer zieht sich über den ganzen Sommer. Viele Besucherinnen und Besucher kommen gezielt und oft immer wieder. Einige nicht wegen einzelner Namen, sondern wegen der Atmosphäre. Getragen wird die Kulturreihe von freiwilligem Engagement. Finanziell bleibt sie jedes Jahr eine Herausforderung. Im Jubiläumsjahr verzichtet der Klostersommer bewusst auf ein Sonderprogramm. Kein Rückblick, kein grosses Spektakel. «Es unterscheidet sich eigentlich nichts von anderen Jahren», so der Mitgründer. Was bleibt, sind unzählige und unbezahlbare Erinnerungen. Besonders das Freilichttheater «Der Name der Rose» im Jahr 2022. «Über 11’000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben uns in Rüeggisberg besucht.» Solche Momente zeigten, was möglich werde, wenn Ort, Inhalt und Engagement zusammenkommen. Für die Zukunft ist keine Expansion geplant. Wichtig sei vielmehr die Übergabe an die nächste Generation. «Es soll weitergehen mit der jüngeren Generation, die frischen Wind hineinbringt», wünscht Peter Zurbrügg. Er selbst sei ersetzbar, die Idee nicht. Entscheidend sei, dass Haltung und Philosophie bleiben: offen, lokal verankert und getragen von Menschen, die etwas möglich machen wollen.
Programm
– Freitag, 26. Juni, 20.30 Uhr: Massimo Rocchi – «Programm zum 50. Bühnenpräsenz»
– Samstag, 27. Juni, 20.30 Uhr: Brassgrooves mit «Molotow Brass Orkestar» und «Die Gendarmen – mit Blaulicht auf die Bühne»
– Freitag, 21. August, 20.30 Uhr: «OhaLisa» – mit der Alphornvirtuosin Lisa Stoll und der Ländlerkapelle «Ohalätz»
– Samstag, 22. August, 20.30 Uhr: Troubas Kater – Katergold Tour (Mundart, Rap, Chanson, Folk, Rock, Pop, HipHop)
– Sonntag, 23. August, 15 Uhr: Familienkonzert «Xenegugeli-ABC mit Roland Zoss-Duo», als Gast: Jimmy Flitz, mit Tier- und Baumliedern für Kinder
– Freitag, 28. August, 20.30 Uhr: Musik & Talk zum 20-Jahre-Jubiläum des Kinohits «Die Herbstzeitlosen» – mit Sonja Hasler (Moderatorin Radio SRF), Heidi Maria Glössner (Schauspielerin, im Film Lisi), Manfred Liechti (Schauspieler, im Film Gemeindepräsident) und dem Domino String Quartet (Filmmusik)
– Samstag, 29. August, 20.30 Uhr: Bärenstutz-Ensemble mit Nina Dimitri und Silvana Garguilo, «Musica al Volo» – Konzert zur Zusammenarbeit 10 Jahre Bärenstutz-Festival und 25 Jahre Klostersommer
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