Kurze Beine, grosse Hosen

Kurze Beine, grosse Hosen

Es sei für einmal gestattet, an einem Schwingfest den Fokus auf die noch etwas kurzbeinigeren Schwinger zu richten und die Aktiven etwas verdichtet zu portraitieren, ganz getreu dem Motto: Wer ist auf dem Weg in die grossen Schuhnummern von Staudenmann, Ledermann oder Schwander?

Wobei letzterer am 18. Schwingertag in Laupen teilnimmt. Zumindest am Anfang. Nach zwei Gängen muss der Eidgenosse Forfait geben; er hat sich verletzt. Er verpasst deswegen auch das Oberländer Schwingfest in Gstaad. Laut Tele Bärn soll er aber bis zum Berner Kantonalen im Wankdorfstadion wieder fit sein.

Lauper statt Laupener

Als einziger Eidgenosse und Favorit auf dem Platz schafft er Raum für andere. Was den Festsieg anbelangt, kristallisiert sich ein Zweikampf zwischen dem Schwingklub Münsingen und dem Schwingklub Schwarzenburg heraus. Tobias Lauper entzückt das Publikum mit seinem kraftvollen Schwingstil. Eigentlich ein sicher geglaubter Schlussgangteilnehmer, doch im fünften Gang müssen Lukas Dällenbach vom Schwingklub Münsingen und Tobias Lauper vom Schwingklub Schwarzenburg als bisherige Sieger von allen vier Gängen zusammengreifen. Unter sengender Hitze liefern sich die beiden ein absolutes Spitzenduell. Doch der Gang endet mit einem Gestellten, den die Kampfrichter aber mit der Note 9 belohnen. Etwas enttäuscht sind die beiden trotzdem, denn dieser Gestellte ebnet den beiden Münsingern David Lüthi und Florian Matter den Weg in den Schlussgang. Hätte dieser gestellt geendet, hätte Lauper gewinnen können. So heisst es am Schluss für Tobias Lauper statt Festsieg: Rang drei. Den Sieg sichert sich übrigens David Lüthi – der erste Sieg bei den Aktiven für den 24-Jährigen. Der beste Schwinger der Gastgeber des Schwingklubs Laupen wird der erst 17-jährige Matthias Krummen aus Mühleberg mit Rang 11. Womit der Schwingertag Laupen schon mitten bei den hoffnungsvollen Jungschwingern angelangt ist. Beim Schwingklub Schwarzenburg macht eine ganze Armada an jungen Schwingern erneut positiv auf sich aufmerksam: allen voran Lorin Burren (17-jährig), Joel Blatter (20-jährig) und Joel Zimmermann (19-jährig), die gemeinsam den fünften Rang belegen. Zimmermann greift erstmals in dieser Saison ins Geschehen ein. Noch ist sein Finger wegen eines Bruchs einbandagiert, aber die Freude ist gross in Schwarzenburg, dass er wieder zurück an den Festen ist. Auf Rang sechs sind mit Benjamin Burren (17-jährig) und Noa Inäbnit (18-jährig) gleich zwei weitere junge Aktivschwinger aus Schwarzenburg. Sie teilen sich diesen Rang mit Michael Nyffeler (Schwarzenburg).

Zwei von vier

Von den jungen Aktivschwingern zum Nachwuchs. Am Brunnen im weiten Rund von Laupen spielen sich immer wieder schöne Szenen ab. Das heissbegehrte kühle Nass erfreut nicht nur die Kinder als Zaungäste, sondern auch diejenigen im Sägemehl. Einige haben schon ihr festes Ritual, wie sie sich benetzen und auf den Kampf einstimmen. Erinnerungen an gewisse Eidgenossen werden wach. Die Augenblicke am Holzbrunnen erhalten noch eine weitere Komponente, indem Aktivschwinger und Nachwuchs parallel kämpfen und sich die Plätze am Trog und im Sägemehl teilen. Eine schöne Idee des Schwingklubs Laupen, den Tag so zu gestalten. Quasi vom Wow-Effekt zum Jö-Effekt.

Zwei der vier Kategorien kann der Schwingklub Schwarzenburg für sich entscheiden. Je höher der Jahrgang, desto grösser wirken die Zwilchhosen. Doch darin stecken Nachwuchsschwinger, die bereits ein erstaunliches Repertoire an Schwüngen besitzen. Ein schönes Beispiel ist Fabio Kämpfer. Der Rüschegger steht bei den Jahrgängen 2017–2018 im Schlussgang und musste sich bis dato nur von Olivier Sturny geschlagen geben. Genau diesen Sensler bekommt er im Schlussgang wieder serviert. Doch diesmal setzt sich der Nachwuchsschwinger aus dem Schwingklub Schwarzenburg durch und gewinnt seine Kategorie. Es ist nicht das erste Mal, dass er einen Festsieg mit nach Hause nimmt. Auf dem Rang drei, hinter Sturny aus St. Antoni, folgen mit Dominik Stoll und Florian Burri zwei weitere Schwarzenburger.

Einen Sieg für den Schwingklub Schwarzenburg gibt es auch in der Alterskategorie des Jahrgangs 2016. Genauer eine Art Doppelsieg. Mit sechs gewonnenen Gängen siegt Silvan Steiner vor seinem Zwillingsbruder Fabian Steiner. Die beiden stammen aus einem Weiler, der einen grossen Namen aus dem Schwingsport kennt: Mamishaus – Wohnort des Eidgenossen Michael Ledermann.

In der Kategorie 2014–2015 belegt der Schwingklub Schwarzenburg dank der herausragenden Leistung von Tim Zybach aus Riedstätt Rang zwei. Erfreulich für den Schwingklub Laupen ist hierbei der dritte Rang der Neuenegger Levin Koch und Fabio Herren. Da wachsen in Laupen hoffnungsfrohe Jungtalente heran.

In der Kategorie jener, die schon bald den Übertritt zu den Aktiven machen dürfen, mit den Jahrgängen 2011–2013, müssen die Schwarzenburger geschlagen geben. Nicht so Laupen: Der Schwingklub verzeichnet mit Leo Pfeffer (stand im Schlussgang) auf Rang fünf und Remo Mast auf Rang zwei weitere Top-Platzierungen.

Niklaus Messerli

Auf der anderen Seite des Altersspektrums steht ein weiterer Schwinger aus Laupen: Niklaus Messerli. Mit stolzen 42 Lenzen steht er nach wie vor im Sägemehlring und zeigt seine Freude am Schwingsport. Bei ihm geht es weniger um die grossen Festsiege, sondern um die Freude am Sport. Wenn er gemeinsam mit den Nachwuchsschwingern am Brunnen steht, mag zwar der Altersunterschied 30 Jahre betragen, aber sein Verhalten auf und neben dem Schwingplatz mag für viele ein Vorbild abgeben. Schön, dass es solche Schwinger gibt.

Die Schwingklubs Laupen und Schwarzenburg haben einige Talente in ihren Reihen. Nicht zwingend nur die Namen, die hier Erwähnung finden. Wer weiss, wie die Tagesform am nächsten Anlass für weitere Namen plötzlich stimmt. Gelegenheit dazu erhalten diese Jungschwinger, die so viel Freude bereiten, am 2. August anlässlich des Jungschwingertags vor der Haustüre der Steiner-Zwillinge und Michael Ledermann in Mamishaus. Bis es soweit ist, möge der 18. Schwingertag in Laupen noch etwas nachhallen, mit einem starken Tobias Lauper und einer Vielzahl an jungen Schwingern, denen eine gute Zukunft vorausgesagt werden kann, so lange sie weiterhin fleissig ihre noch etwas kürzeren Beine in die grossen Hosen stecken. Wer weiss, vielleicht ist einer dieser erwähnten Namen schon übermorgen der nächste Fabian Staudenmann.

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