Mehr Dialog, weniger Monolog

Mehr Dialog, weniger Monolog

Höchste Könizerin. Zwar stimmt diese Bezeichnung seit wenigen Wochen für Christine Müller (Grüne), doch sich selbst auf einen Sockel zu stellen, ist nicht ihr Ding. Viel lieber will sie ihr Präsidialjahr nutzen, um das ganze Parlament zu stärken.

«Gong». Ein warmer Ton durchdringt auch den hintersten Winkel im Rossstall. Doch er tut dies leise, sanft und einladend. Die Klangschale, welche fortan das Parlament zu Aufmerksamkeit, Ruhe oder zum Einhalten der Redezeiten ermahnen soll, verrät schon, wie Christine Müller denkt, agiert und prägt: mit Respekt. Viel Respekt. Der Gong verkörpert gleichzeitig eine Charaktereigenschaft der Parlamentspräsidentin: Er ist dezent und gleichwohl durchdringend. Wie sein Klang, so ihre
Kommunikation.

Zuhören
«Ich habe nicht das Bedürfnis, ständig über etwas reden zu müssen», verrät sie. Trotzdem ist Kommunikation ihr Beruf. «Ich lege den Fokus einfach vermehrt auf das Zuhören», räumt Müller ein. Mit Blick auf den heutigen Beruf der ehemaligen Lebensmittelingenieurin und Nachhaltigkeitsentwicklerin ergibt das viel Sinn. Müller ist Moderatorin und Coach. Also sozusagen eine professionelle Zuhörerin mit der Fähigkeit, die richtige Dosis an Reden zu treffen. «Kommunikation ist zuhören, verstehen und erst dann reden», präzisiert sie. Nun entspringt das Wort Parlament dem Verb parlieren, aus dem Französischen parler, was so viel wie reden, ja mitunter auch ein wenig schwätzen meint. Und genau hier will Müller ansetzen und einwirken. Aus dem Parlament soll ein «Zuelosamänt» werden.

Verstehen
«Als ich vor einigen Jahren neu im Parlament war, fehlte mir oft der Dialog. Am Rednerpult wird eine vorgefasste Meinung feilgeboten. Es geht dann weniger um das Verstehen, einen Perspektivenwechsel oder das Erkennen von Bedürfnissen. Mir fehlte das Miteinander.» Das französische Verb parler geht denn auch noch weiter in seiner Bedeutung. Es bezeichnet zusätzlich die Situation, wenn zwei oder mehrere miteinander sprechen. Und genau diesen Punkt will Müller wieder stärken, oder wie sie es kurz und präzise zusammenfasst: «Mehr Dialog, weniger Debatte.» In den vergangenen Jahren hat das Parlament einige Massnahmen ergriffen, um effizienter zu werden. Viele Traktanden pro Abend drohen die Sitzungen zu Marathons werden zu lassen. Auch hier setzt sie beim Gong an: «In der Kürze liegt die Würze – oder lasst uns versuchen, auf den Punkt zu kommen.» Für sie kann dies auch bedeuten, wenn man redet, es so zu gestalten, dass ein Spannungsbogen entsteht. Und wenn man zuhört, dies auch wirklich mit der Absicht zu tun, den Standpunkt der anderen begreifen zu können. Das alles hat für Müller nicht nur mit einer guten Gesprächskultur zu tun, sondern gleichzeitig auch mit Effizienz.

Reden
«Gong.» Zeit, das ehrwürdige Parlament zu verlassen und zu erfragen – pardon – hinzuhören, was Müller neben Politik und Beruf für ein Mensch ist. «Ich mache sehr gerne Sport. Schwimmen, tauchen, Mountainbike, Yoga, Meditation – Hauptsache draussen», lacht die Mutter zweier erwachsener Kinder. Was bei dieser Aufzählung auffällt, ist ihr Dialekt. «Ja, ich komme aus der Stadt Luzern. Die Luzerner denken ja, ihre Stadt sei die beste der Welt. Die Liebe hat mich zuerst nach Bern geführt, dann 2007 nach Köniz, und heute bezeichne ich mich mit Stolz als Könizerin – das will also etwas heissen.» Die Lebensqualität in Köniz «möchte ich gegen nichts in der Welt eintauschen». Ein Beispiel ist die Aare, welche die Schwimmerin in Wabern quasi vor der Haustüre hat.

Parlamentspräsidentin Christine Müller. Ein Jahr, das ihr viel bedeutet und das sie nutzen will, um das Parlament positiv zu beeinflussen. Doch der Titel bedeutet ihr weitaus weniger. «Ich schätze vor allen Dingen die überaus gute, parteiübergreifende Zusammenarbeit, denn genau das braucht es, um gute Lösungen zu erzielen.» Sie will dem Parlament mehr Leben einhauchen, informelle Gespräche sind wichtig. Und wieder fasst sie es so prägnant zusammen, dass man sich demütig ein wenig zurückzieht und zuhört: «Mehr Dialog statt Monolog.» «Gong».

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«Mehr Dialog, weniger Monolog»

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