Neues Leben im alten Bären

Neues Leben im alten Bären

Nach Jahren des Stillstands erwacht der traditionsreiche Gasthof Bären zu neuem Leben. Mit Ilana Walker und Stephan Kobi hat das geschichtsträchtige Haus neue Eigentümer gefunden, die daraus einen offenen Ort für Begegnung, Kultur und Kreativität machen wollen. Der Startschuss für das Herzensprojekt soll bereits im Frühsommer fallen.

Der Bären ist ein Haus mit Geschichte. Seit 1882 prägt der Gasthof das Dorfbild von Albligen. Doch in den vergangenen Jahren blieb es still hinter den Mauern. Nach häufigem Pächterwechsel stand das Areal zuletzt leer. Jetzt soll sich das ändern. Mit Ilana Walker und Stephan Kobi hat der Bären neue Eigentümer gefunden – und mit ihnen eine neue Perspektive. Für das Paar geht mit dem Kauf ein lang gehegter Traum in Erfüllung. «Der Gedanke an einen eigenen Ort für unsere Ideen begleitet uns schon lange», erzählt Kobi. Beide sind seit Jahren in der Eventbranche tätig und suchten nach einem passenden Ort für ihre Vision. «Wir haben viele Objekte besichtigt, Konzepte entworfen und wieder verworfen, weil einfach zu viel nicht gepasst hat», sagt Kobi. Beim Bären war das anders. «Hier stimmte alles», fügt seine Partnerin Ilana Walker an und lächelt. «Das Areal an dieser Lage nahe der Sense, die sonnige Ausrichtung, die Räumlichkeiten und die Hostet erfüllen all unsere Bedürfnisse.»

Kein klassischer Gasthof
Dass sich heute jemand an ein Projekt in einem ehemaligen Gasthof wagt, ist keine Selbstverständlichkeit. Das «Gasthofsterben» ist auch in der Region ein Thema. «Unsere Freunde aus der Gastrobranche haben zuerst die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen», erzählen die beiden schmunzelnd. «Inzwischen unterstützen sie uns aber mit viel Know-how, Erfahrung und guten Ideen.» Gleichzeitig stellen Walker und Kobi klar: «Es wird vorerst kein klassischer Gasthof im herkömmlichen Sinn.» Stattdessen denken sie an flexible Angebote wie etwa einen Mittagstisch oder kleine Speisen bei schönem Wetter. Ganz ohne Gastronomie geht es also nicht. «Das Wirtepatent habe ich jedenfalls schon in der Tasche», verrät Kobi augenzwinkernd.

Ein Ort für Begegnung und Kreativität
Im Zentrum des Konzepts steht ein offenes Haus für viele Nutzungen. Geplant sind ein Veranstaltungssaal für Anlässe, Vereine, Kurse und Proben, Gästezimmer sowie naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten auf der Hostet. «Unser Ziel ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Kreativität», sagt Walker. Ein Glücksfall sei dabei der Zustand der Liegenschaft. Die Burgergemeinde Albligen als frühere Eigentümerin habe das Areal gut gepflegt. «Wir konnten die Räume ohne grössere Renovationen übernehmen», so das Paar. Ganz generell hat die Burgergemeinde jahrelang zum Rechten geschaut und sich bis zum Schluss helfend an die Seite gestellt, um ein Weiterbestehen des «Bären» zu gewährleisten. Hut ab.

Gewinn für Dorf und Region
Der Bären soll nicht nur Gäste von ausserhalb anziehen, sondern vor allem im Dorfkern wieder Leben bringen. «Uns ist wichtig, dass sich auch die lokale Bevölkerung hier zu Hause fühlt», betont Walker. Der Austausch mit der Bevölkerung steht deshalb an oberster Stelle. Geplant ist ein regelmässiger Dialog, bei dem sich Interessierte einbringen können. «Wir sind offen für Bedürfnisse aus der Region.» Auch geografisch wollen die beiden Brücken schlagen: zwischen Albligen und Schwarzenburg, über den sprichwörtlichen «Ruchmühlegraben» hinweg. Dabei bringen sie ein grosses Netzwerk aus der Eventwelt mit. Walker arbeitet teilselbstständig als Tontechnikerin für namhafte Bands wie Lo & Leduc sowie für SRF und ist zudem als Stagemanagerin für Grossevents tätig. Kobi betreibt eine eigene Eventtechnikfirma und betreut Grossanlässe für Firmen.

Mit Herzblut in die Zukunft
Im Januar ist das Paar in den Bären eingezogen. Im Frühsommer soll der Betrieb starten. Zuvor gilt es allerdings, den Papierkrieg rund um die Betriebsbewilligung zu bewältigen. Dennoch sind beide überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt. «Mit Herzblut, Engagement und der Unterstützung der Bevölkerung kann dieses Projekt gelingen», sagt Walker zuversichtlich. Der Bären ist für die beiden mehr als ein Haus. «Wir haben das Areal gekauft, das ist unser Lebensplan», sagt Kobi, und Walker ergänzt mit Blick in die Zukunft: «Wenn ich einmal alt bin, auf meinem Schaukelstuhl sitze und um mich herum ein lebendiges Miteinander floriert, dann weiss ich: Wir haben alles richtig gemacht.»

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