Fasst man zusammen, was bisher geschah, darf man feststellen: dass Fabian Staudenmann in bester Form ist, bereits ein grosses Fest gewonnen hat (seeländisches Schwingfest) und hinter ihm einige auf sich aufmerksam gemacht haben. Allen voran Nicolas Zimmermann, der bereits zwei Kränze und einen Spitzenplatz erlangen konnte, Tobias Lauper, der schon gekranzt hat und bei jedem Gang für Spektakel sorgt, Loris Berger, der mit seiner offensiven Schwingart kranzt und begeistert und auf der Sensler-Seite das starke Quintett mit Christoph Baeriswyl, Silvan Zbinden, Steven Moser, Leon Pellet sowie Nicolas Sturny. Auf sie wird in diesen Zeilen nicht eingegangen. Sie haben am Freiburger Kantonalen in Murten brilliert und erhalten ihren eigenen Artikel im Sense-Teil dieser Zeitung.
Wie oft denn noch?
Also Fokus auf Fabian Staudenmann. Bis zum Oberländer Schwingfest in Gstaad bleiben Michael Moser und Fabian Staudenmann ungeschlagen. Was liegt also näher, als die beiden in einer Spitzenpaarung im ersten Gang wieder zusammengreifen zu lassen? Vielleicht die Tatsache, dass diese Paarung in dieser Saison bereits zum sage und schreibe fünften Mal stattfindet? Erstmals am Wislisau Schwinget in Rüschegg gleich im ersten Gang und einige Stunden später im Schlussgang und nur drei Wochen später am Mittelländischen Schwingfest kommt es im fünften Gang erneut zu dieser Paarung. Das Resultat lautete immer: gestellt. Am Oberländer Schwingfest nun, lassen die Einteiler erneut die beiden aufeinander los. Im ersten Gang. Klar, hätte der Gang wieder gestellt geendet, hätte man einen Emmentaler und einen Mittelländer Favoriten zurückbinden können und den Weg früh für einen möglichen Oberländer Sieger geebnet. Nichts da. Diesmal suchen Staudenmann und Moser die Entscheidung. Staudenmann lässt sich bei einem Angriff vom unfehlbaren Instinkt Mosers kurz erwischen und muss auf den Rücken. Das ist ein erster Gang und das kann passieren, resümiert ein gefasster Staudenmann im Interview. In der Tat gewinnt Staudenmann in der Folge alle fünf Gänge. Für den Einzug in den Schlussgang fehlt ihm gegenüber Mathieu Burger lediglich ein halber Punkt. Am Schluss heisst es Staudenmann Rang zwei. Der Mann in Gstaad heisst aber Michael Moser, er siegt in allen sechs Gängen schlicht und ergreifend souverän.
Das erfreuliche Comeback
Nichts da mit einem Oberländer Sieg. Obschon Bernhard Kämpf beste Chancen erhalten hat (er hatte in fünf Gängen als gestandener Eidgenosse jeweils «nur» Einsterneschwinger). Dennoch zeigte der Routinier seine ungebrochene Klasse und belegt punktgleich mit Staudenmann Rang zwei. Fast hätte ein weiterer Name aus dem Schwingklub Schwarzenburg für Furore gesorgt: Lukas Renfer. Der Riggisberger kehrt aus einer Verletzung zurück. Bis dato ist wenig über seinen Formstand bekannt. Doch die Antwort folgt im Sägemehl. Renfer muss sich nur vom späteren Festsieger Michael Moser geschlagen geben und stellt seinen ersten Gang am Morgen gegen Paxton Grass. Die anderen vier Kämpfe kann er siegreich gestalten. Am Schluss winkt ihm der Kranz sowie der achte Rang. Ein erfreuliches Comeback. Staudenmann, Zimmermann und Lauper erhalten wieder Verstärkung. Kranzfrei bleibt diesmal Nicolas Zimmermann. Er verliert zwar keinen einzigen Gang, muss aber deren drei stellen.
Verletzungen
Ein weiterer Rückkehrer aus dem «Lazarett» ist Joel Zimmermann. Nach einem Fingerbruch testet er am Regionalfest Laupen (und zuvor am Oberaargauischen) noch ein wenig, nun aber lässt er erstmals aufhorchen. Er gewinnt die ersten drei Gänge und liegt am Mittag an der Spitze. Am Nachmittag kommt der Motor aber etwas ins Stottern. Der Milkener verliert die folgenden zwei Gänge und stellt im sechsten Schlussgang. Wenn er sich da noch steigern kann, wird Joel Zimmermann noch viel Freude bereiten. An eine Rückkehr noch nicht zu denken war für Severin Schwander. Er verletzte sich am Regionalfest in Laupen und musste in Gstaad deshalb Forfait geben. Doch der Schwingklub Schwarzenburg ist zuversichtlich, dass der Riggisberger am Kantonalen wieder eingreifen kann. Gleiches gilt für einen anderen grossen Namen: Michael Ledermann. Nach seiner fulminanten Rückkehr aus einer Verletzung am Eidgenössischen Schwingfest in Mollis (Rang vier), muss er gleich wieder verletzungsbedingt pausieren. Aber nicht mehr lange. Wie man munkeln hört, soll der kühne Hühne aus Mamishaus am Kantonalen wieder eingreifen können. Ob dies ähnlich fulminant gelingt wie am Eidgenössischen? Das Talent dazu hat er.
Bliebe noch der kurze Blick auf das Oberaargauische Schwingfest. Kein Mittelländer kann in Niederbipp einen Kranz ergattern. Was war los? Staudenmann lässt das Fest aus und bei den anderen fehlt schlicht und ergreifend ein wenig das Wettkampfglück. Severin Schwander verpasst den Kranz nur um einen Viertelpunkt, Loris Berger um einen halben. Manchmal müssen Talente hartes Brot essen, bevor es wieder frisches gibt. Eine Scharte, die während der Saison ausgemerzt werden kann. Nämlich am Bernisch-Kantonalen am 5. Juli im Wankdorf. Vor Abertausenden von Zuschauenden.