Wie wird die Landschaft in der Gemeinde Köniz und damit unsere Lebensqualität im Jahr 2060 aussehen? Oder: Welche Optionen zur Mitgestaltung unserer Umwelt haben wir trotz Klimawandel? Mit solchen Fragen befasste sich der Anlass «Köniz 2060: Blick in die Landschaft von morgen» im Kirchlichen Zen-trum Niederwangen. Grundlage der Veranstaltung war das Forschungsprojekt «Klimawandel – Landschaft: die Zukunft nachhaltig gestalten/KLANG» der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Köniz und der IG Grünes Band Bern. Wie die Zukunft aussehen wird, ist ungewiss; gewiss ist hingegen, dass die Auswirkungen des Klimawandels gross sein werden. Die Herausforderungen dadurch sind es auch. Darüber spricht Gemeinderat Hansueli Pestalozzi, der den Anlass eröffnet. Er skizziert ein Zukunftsbild, das auch Anlass zur Hoffnung gibt. Das begründet er damit, dass Massnahmen gegen die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen Wirkung zeigen. Danach übergibt er das Wort an Elena Siegrist. Die Geographin entwickelt als Doktorandin Szenarien, mit denen die Entwicklung der Landschaften unter Einfluss des Klimawandels verdeutlicht werden.
Spaziergang ins Jahr 2060
Sie ist zusammen mit Matthias Bürgi federführend für das Projekt tätig, beide sind Mitarbeitende an der Forschungsanstalt WSL. Zum Einstieg motiviert sie die Anwesenden, sich einen Spaziergang in einer vertrauten Umgebung vorzustellen. Gleich darauf stellt sie die Frage, ob man sich diesen Spaziergang auch im Jahr 2060 vorstellen könne, wenn der Klimawandel weiter fortgeschritten sei. Mithilfe dieses Ausblicks veranschaulicht die Forscherin den Wandel der Landschaften, unserer Alltagswelt, aus der wir tagtäglich viele Leistungen beziehen. Gerade deshalb sei es wichtig, zu wissen, was auf uns zukommt. Das Projekt sieht vor, dass mithilfe dieses Wissens und unter Einbezug der ansässigen Bevölkerung eine gesellschaftliche Auseinandersetzung über die Zukunft der Region unter dem Einfluss der veränderten Klimabedingungen stattfindet. Das seien, so die Wissenschaftlerin, die ersten Schritte einer Gegenentwicklung, die zu einem realistischen Umgang mit dem Klimawandel führen können.
Frühzeitiges Handeln
Die möglichen Szenarien macht sie mit je drei Bildern desselben Standortes in Köniz, jeweils aus der gleichen Perspektive, sichtbar. Die eine Aufnahme zeigt den Zustand von heute. Eine weitere veranschaulicht, wie es dort in 35 Jahren voraussichtlich aussehen wird, wenn wir reaktiv erst dann handeln, wenn die Auswirkungen bereits da sind. Und schliesslich zeigt die dritte Aufnahme den möglichen Zustand, wenn wir proaktiv, also frühzeitig, handeln. Die Unterschiede sind frappant. Das reaktive Szenario offenbart schonungslos die Auswirkungen von Hitzesommern und Wasserknappheit, basierend auf neutralen wissenschaftlichen Daten. Waldgebiete mit baumlosen Lücken zeigen sich, auch Felder, die mangels Wasser nicht bewirtschaftet werden, und an fast allen Häusern ist eine Klimaanlage installiert. Dies müsste nicht sein, so Elena Siegrist, eine Gemeinde könne mit sinnvollen Massnahmen durchaus widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel werden, wie auch in der Broschüre zum Projekt detailliert dargestellt wird.
Doch noch ein Happy End?
Am heutigen Abend übernehmen die Anwesenden die Rolle der Bevölkerung. Sie werden aufgeteilt in drei Gruppen und erstellen in Teamarbeit anhand einer Geschichte mit Zeichnungen je ein Landschaftsszenario für das Jahr 2060. Das Storyboard soll gemäss Elena Siegrist Wege aufzeigen, die zu einem Szenario führen, das durch proaktive Handlungsmuster entsteht. Der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt, sagt sie, die Geschichte sollte jedoch eine gewisse Plausibilität haben. Der Rahmen dürfe durchaus an ein Märchen erinnern, an eine Happy-End-Geschichte mit einer Person im Mittelpunkt, die vor Schwierigkeiten steht, diese meistert und damit erfolgreich ist. Es wird rege diskutiert und gezeichnet in den Gruppen und zum Schluss präsentiert jedes Team seine Geschichte. Dies führt zu einem angeregten Austausch unter den Anwesenden und erfüllt somit einen Kernpunkt des Projekts, wonach dem Klimawandel am ehesten mit gemeinsam erarbeiteten Strategien begegnet werden kann.