Wenn man wieder Kind sein darf

Wenn man wieder Kind sein darf

An der diesjährigen Museumsnacht wurden die Türen des SchulSchaulagers zum ersten Mal aufgestossen – noch vor der offiziellen Eröffnung konnten Besucherinnen und Besucher in die Ausstellung eintauchen.

Nicht nur Nostalgie, sondern auch kindliche Freude verbreiten sich im zweiten Untergeschoss des SchulSchaulagers an der Sägestrasse 65. Zuerst sind die Besuchenden fast ein wenig geblendet vom ganz in Weiss getünchten und hell erleuchteten Raum, welcher für die Dauerausstellung konzipiert ist. Doch dann findet der Blick wie ganz von selbst die ausgestellten Besonderheiten und lässt das kindliche Herz schneller schlagen. Da sind handbemalte Etuis, früher Griffelschachteln genannt. Ein Schönschreibheft mit exakt geschwungenen Buchstaben. Alte Schultornister, kaum vergleichbar mit den heutigen Sportrucksäcken. Und so geht es weiter: lauter Dinge, die man aus der eigenen Schulzeit oder noch von den Grosseltern kennt. Die Sammlung des Schulmuseums Bern umfasst rund 80’000 Objekte aus fünf Jahrhunderten Schulgeschichte, die nun zum ersten Mal in gebührendem Rahmen gezeigt werden.

Generationen berühren und Verbindung schaffen
Angelo Romano hat sich mit Herz und Leidenschaft dafür eingesetzt, dass diese verborgenen Schätze der Öffentlichkeit zugänglich werden. An der Museumsnacht führt er persönlich die Besuchenden durch die Ausstellung und beantwortet ihre Fragen. Nicht nur zum Anschauen seien die Objekte, sondern als Lernwelt gedacht. Die Ausstellungsstücke dürfen bewusst angefasst werden. Schule ist universell und jeder Besucher kann sich mit irgendeinem Objekt der Ausstellung identifizieren und Erinnerungen wachrufen. Besonders schön sei es, wenn Kinder eine alte Schulglocke zum Läuten bringen, erzählt Romano. Mit der Ausstellung sollen Generationen verbunden und berührt werden, meint er, während neben ihm ein Mann seiner kleinen Tochter gerade erklärt, was ein Abakus ist. Die Ausstellung ist somit interaktiv und bietet dem Publikum einen einfachen Zugang zu den schulhistorischen Beständen.

Besondere Atmosphäre an der Museumsnacht
Bunt erleuchtet strahlt das gleich hinter dem Bahnhof Köniz gelegene Gebäude an der jährlichen Museumsnacht. Das SchulSchaulager ist zum ersten Mal mit dabei und rund 80 Personen strömen bereits bei Türöffnung zum Event. Die Nacht ist aber noch lang: Bis um zwei Uhr früh ist das SchulSchaulager für die Nachtschwärmer geöffnet. Eine magische Stimmung liegt in der Luft und auch die zwanzig Helfenden empfinden die Museumsnacht als ganz besonderen Anlass. Dass die Ausstellung bereits vor der offiziellen Eröffnung zugänglich ist, begeistert das Publikum – und lässt Kinder- wie Erwachsenenaugen leuchten.

Tabula Musica erschafft Klangräume
Ein weiteres Highlight bietet die inklusive Klanginstallation von Tabula Musica (Kompetenzzentrum für barrierefreie Musik). Unterschiedliche Musikinstallationen lassen eigene Musik kreieren: Die Technologie «Eye-Harp» ermöglicht es, allein durch Augenbewegungen Musikinstrumente zu spielen. So können Menschen, die ihre Hände und Arme nicht bewegen können, musizieren. Auch der «Motion Composer», der kleinste Bewegungen in Töne und Klänge umwandelt, fasziniert an der Museumsnacht: Zwei Geschwister, eines davon im Rollstuhl, musizieren gemeinsam nur durch ihre Bewegungen und lassen die beiden strahlen. An der Museumsnacht ist die Ausstellung von Tabula Musica ein grosser Erfolg und wird von allen Besuchenden rege ausprobiert. Das immersive Klanglabor ist vom 1. Juni bis zum 7. September im SchulSchaulager zu erleben.

Franz Hohler an der Eröffnung zu Gast
Speziell freut sich das Organisationsteam auf Franz Hohler, den Schweizer Kabarettisten und Schriftsteller, welcher die Gäste mit seinen Texten begeistern wird. Gleichzeitig startet die erste Sonderausstellung «Fremde Räume – Schule, Migration und die Welt»: Hier werden den Besucherinnen und Besuchern historische und aktuelle schulische Migrationserfahrungen gezeigt. Das SchulSchaulager schlägt so den Bogen – von damals bis heute, erfahrbar für alle.

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