Kurz vor 19 Uhr an einem Montagabend im Parlament. Heidi Eberhard (FDP) betritt den Rossstall, die mittlerweile etwas grauen, langen Haare wehen zwischen den Stühlen hindurch. Nicht, weil sie es eilig hat, sondern weil sie zu jenen im Parlament gehört, die die Hand reichen, grüssen und ein Lächeln schenken.
Aus Mangel an Geduld
Dann beginnt die Parlamentssitzung, und es dauert nicht lange, bis die Liberale nach vorne ans Rednerpult muss. Sie sitzt seit fünf Jahren in der Geschäftsprüfungskommission, die letzten beiden Jahre präsidierte sie diese. Noch mehr Arbeit, in die sie ihre ganze Erfahrung einbringen konnte. Doch noch etwas fällt auf, wenn Eberhard spricht: ihr Dialekt. Sympathisch, ländlich, aber nicht aus Bern. «Ich bin in Schnottwil im Kanton Solothurn aufgewachsen», sagt sie nicht einfach so, sondern schwärmt anschliessend von ihrer Heimat.
Doch die Verwaltungsangestellte bekam zusehends ein Problem mit ihrem Arbeitsweg. «Ich bin kein geduldiger Mensch. Der Stau auf der A1 ist mir auf den Wecker gegangen, deshalb suchte ich etwas in der Nähe», erinnert sie sich. Seit 1999 wohnt sie in Schliern und fühlt sich dort pudelwohl. Nur: Weshalb nicht gleich Bern? «Nein, Bern ist nichts für mich. Köniz ist gut gelegen und hat den ländlichen Charakter nicht verloren, hier fühle ich mich wohl», räumt sie ein.
Engagement für den Wohnort
Für Eberhard war klar: Man engagiert sich in seiner Wohngemeinde. Deshalb bejahte sie die Anfrage der FDP, ob sie in die Schulkommission gehen wolle. Dass sie bis dato parteilos war, spürte das Parlament da und dort. Eberhard hört hin und macht sich ihr eigenes Bild, das nicht zwingend immer mit jenem der Partei einhergehen muss. «Bei den Finanzen und der Bildung muss man linientreu bleiben in der Partei, das sind ja unsere Schwerpunktthemen. Aber wir hatten nie ein Diktat, wie man abstimmen muss, das habe ich sehr geschätzt. Das ist eben gelebtes liberales Denken», sagt sie rückblickend.
Welche Partei Menschen am Schluss für sich wählen, ist ihr jedoch weniger wichtig als die Tatsache, dass sich die Bevölkerung politisch interessiert und engagiert. «In seiner Gemeinde etwas zu tun, bedeutet, Anteil an der Geschichte deines Landes zu nehmen. Mitwirken und mitgestalten, damit sich ein Land, ein Kanton oder eine Gemeinde entwickeln kann.»
Überparteiliche Arbeit
Das hat sie mit 14-jähriger Parlamentsarbeit wahrlich getan – und manch frustrierenden Moment überdauert, denn man gewinnt nicht jede Abstimmung. «Die starke Mitte macht es manchmal schwierig, Mehrheiten zu finden. Das Beste ist immer, wenn alle ein wenig unzufrieden sind, dann kommt es gut. Dann ist es ein Kompromiss», lacht sie.
Aber Moment einmal: Wie geht diese Einstellung mit der eingangs erwähnten Ungeduld einher? Eberhard seufzt: «Die Mühlen mahlen langsam. Nehmen wir zum Beispiel den Zentrumsplatz Schliern, etwas, das ich seit Anbeginn verbessern wollte. Nach zwölf Jahren sind wir kaum weiter. Ich komme aus einer Familie mit zehn Kindern, bei uns musste man alles selbst stemmen. Deshalb stört es mich manchmal, wenn hier in Köniz für vieles einfach und schnell Geld ausgegeben wird. Nur dieser Platz interessiert niemanden. Zum Glück gibt es nun Brigitte Rohrbach (SP), die das Thema weiterzieht, sonst würde es versanden. So etwas braucht schon ein wenig Nerven.»
Beharrlichkeit besiegt die Ungeduld. Das Thema steht für sie im Vordergrund. Heidi Eberhard hat nie Probleme bewirtschaftet, sondern stets an Lösungen gefeilt. Nimmt man ihre Fähigkeit zuzuhören dazu, ergibt das viele überparteiliche Zusammenarbeiten. «Ich finde viele Menschen toll, egal welche Gesinnung sie haben», meint sie zum Schluss. Ein Satz, der geradezu idealtypisch ihre Arbeit beschreibt. Wertschätzung ist ihr Erfolgsrezept.