Zufällig getroffen: Von Briefkasten zu Briefkasten…

Zufällig getroffen: Von Briefkasten zu Briefkasten…

Hier also eine neue Folge unserer Serie, in welcher der Autor Menschen, die er nicht kennt, anspricht, mit dem Wunsch, ein Gespräch für diese Zeitung führen zu dürfen. 9 von 10 Leuten sagen zu. Eigentlich erstaunlich, gelten wir Schweizerinnen und Schweizer doch eher als verschlossen.

Housi Fankhauser, weil alle Leute Ihnen so sagen: Wo und wann sind Sie geboren, und wo gingen Sie zur Schule?
1956 in Münsingen geboren, dort bin ich auch zur Schule gegangen, anschliessend habe ich «s’KV» gemacht, in der ehemaligen Mosterei Münsingen. Diese war Teil der regionalen Obstverwertung im Kanton Bern. 1977 schloss sie sich dann zusammen mit anderen Betrieben – u. a. Ramsei, Kiesen, Herzogenbuchsee – zur Pomdor AG, welche wiederum bekannte Marken übernahm, unter anderen Sinalco Schweiz und Elmer. Zeitsprung: Heute ist sie Teil der Ramseier Suisse AG in Sursee.

Hoppla, eine kurze Lektion Wirtschaftskunde, danke. Wie ging es dann weiter?
Zur Zeit, als ich meine Lehre abgeschlossen hatte, suchte man keine Büroangestellten, also habe ich während eines Jahres Westasien bereist. Israel, Jordanien, den Libanon, Ägypten – und einiges erlebt. In Israel lebte ich eine Zeit lang in einem Kibbuz nahe der Grenze zum Libanon. Wir wurden damals schon von der Hisbollah beschossen, ich lebte zwei Wochen in einem Bunker. Ah! Und einen Sommer habe ich damals auf der Alp Hellboden verbracht, oberhalb von Krattigen.

Wie ging es beruflich weiter?
Ich habe ein zweijähriges Praktikum als Pfleger absolviert, kam aber nicht damit zurecht und war mit den extremen Vorfällen in dieser speziellen Institution überfordert, also habe ich den Job gewechselt. Ich wurde – Briefträger.

Zu einer Zeit, als die Briefträger die Renten und die AHV den Leuten bar auszahlten? «Chömet doch no ine, es Kafi cho trinke…»?
(Schallendes Lachen) Falsch, ganz falsch, jene Zeit war vorbei, als ich bei der damaligen PTT anfing. Nebenbei – wenn man dem so sagen darf – war ich Hausvater im Altersheim Wiesenstrasse in Ostermundigen, konnte mich nützlich machen. In Bern verteilte ich die Post in der Länggasse, Hochfeld- und Neufeldstrasse sowie am Seidenweg.

Bingo! Am Seidenweg haben wir in den 60er-Jahren gewohnt und sind uns möglicherweise begegnet…
Diese Zufälle! Ja, gut möglich. Ich bin damals zwischendurch im Restaurant Seidenhof eingekehrt, beim Herrn Burgermeister (schmunzelt).

Haben Sie eigentlich auch irgenwann geheiratet?
Ja, 1981 heiratete ich Irene. Unsere drei Töchter heissen Bettina, Michaela und Nadia. Wir haben 25 Jahre in einem Haus in Biberen gewohnt.

Zurück zum Briefträger. Wie lange gingen Sie von Briefkasten zu Briefkasten?
Ziemlich lange, meine Berufskarriere habe ich bei der Swisscom abgeschlossen, bis zu meiner Pensionierung vor vier Jahren. Dort war ich als Disponent für unsere Kunden zuständig, gegen Ende für jene in St. Gallen, Bern und Basel. Unser Haus habe ich jetzt verkauft, lebe im Traubenhof, eine Überbauung für altersgerechtes Wohnen in Kriechenwil, mit allen Dienstleistungen. Ich bin glücklich mit meinem Entscheid.

Hobbys?
Ja, die habe ich. Ich spiele Theater bei der Tonne in Laupen, seit 1999. Und ich fahre Motorrad, bin seit meiner Pensionierung monatelang unterwegs, zu zweit, dieses Jahr sind die Shetland-Inseln unser Ziel, im Mai und Juni. Und ich bin auch noch Sigrist und Friedhofsgärtner in der Kirche Ferenbalm.

Noch eine Frage zu Westasien: Ich behaupte, die Soldaten kämpfen nicht ihren eigenen Krieg, sondern jenen ihrer Väter und Grossväter weiter. Einverstanden?
Durchaus, ja. Den Palästinensern hat man 1948 Land weggenommen, das war der Auslöser dieses nie endenden Krieges, mit Unterbrüchen. Und damit Sie mich richtig verstehen: Beide Seiten haben ihre Schuld an der Situation, niemand mag auf die andere Seite zugehen, zu verfahren ist die Situation, zu verhärtet sind die Fronten. Alle fühlen sich im Recht.

Was liesse sich dagegen machen?
(Überlegt lange, dann mit einem Seufzer…) Was soll ich da sagen? Ich weiss es nicht, wirklich nicht. Viele hellere Köpfe als Housi Fankhauser haben es versucht, oder versuchen es immer und immer wieder, kommen keinen Schritt weiter. Was sicher ist: Die Regierung des Iran spielt eine ganz perfide Rolle, schert sich einen Dreck um die eigene Bevölkerung, lässt Tausende von Bürgerinnen und Bürger erschiessen, die für Freiheit demonstrieren.

Also braucht es die Intervention der Amerikaner und Israels?
Schauen Sie, wenn das Regime überlebt, wie es den Anschein macht, dann nimmt die Repression gegen Oppositionelle noch mehr zu. Ehrlich gesagt: Ich weiss es nicht.

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