«Wir sind eine grosse Agglomerationsgemeinde mit vielen Hanglagen und haben keinen vernünftigen Anschluss an die S-Bahn, die im Halbstundentakt die Bahnhöfe Köniz und Bern verbindet», fasst es die Präsidentin des Quartierleist Buchsee-Landorf Stephie Staub-Muheim zusammen. Sie hat als langjähriges Mitglied in der Berner Regionalkonferenz miterlebt, wie sich Gemeinden rund um Bern für eine gute Abstimmung der Bus- auf die S-Bahn-Linien einsetzten. Ein solcher Effort sei nun auch hier nötig, so die ehemalige Könizer Parlamentarierin.
Wichtige Minuten
Köniz verfügt zwar mit dem S-Bahnhof über einen staufreien, zuverlässigen Anschluss in die Stadt Bern und an den Fernverkehr. Doch die Busse halten oft so, dass ein Umsteigen vom oder an den Zug nicht möglich oder mit langen Wartezeiten verbunden ist. Ein Beispiel: Die S6 von Bern fährt um xx.14/xx.44 ein. Bus 29 ist bereits um xx.11/xx.41 abgefahren und Bus 22 fährt um xx.16/xx.46 – schwierig für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Darum setzen sich der Quartierleist Buchsee-Landorf, der Ortsverein Niederwangen und die Arbeitsgruppe für Planungsfragen im Wangen (APW) für die ÖV-Anliegen von potentiell mehreren Tausend Einwohnern des Könizer Westens ein. In einem Brief ans Amt für öffentlichen Verkehr und Verkehrskoordination des Kantons Bern formulieren sie sechs Anliegen, die in die Vernehmlassung einfliessen sollen. Grundsätzlich verlangen sie, an den Bahnhöfen Köniz und Niederwangen die Anschlüsse von der S6, der S1 und S2 an die Buslinien und umgekehrt sicherzustellen oder zu verbessern.
Niederwangen hat Vorrang
Die Situation ist der Könizer Direktion für Planung und Verkehr bekannt. «Bereits vor zwei Jahren prüften wir es intensiv», erklärt Direktionsvorsteher und Gemeinderat Christian Burren. Es gab einen runden Tisch mit allen Betroffenen. Die Buslinien 22/29 treffen jedoch an den Bahnhöfen Wabern, Köniz, Brünnen und Niederwangen auf insgesamt vier S-Bahn-Linien. «Wir müssen priorisieren und die Anschlüsse dort garantieren, wo es die meisten Nutzer hat», meint er. Dies sei am Bahnhof Niederwangen mit über 400 regelmässig Reisenden der Fall. Burren kann nachvollziehen, dass dies manchmal schwer verständlich ist: «Es ist eine unschöne Situation.» Entweder müsste der Bustakt verdichtet werden, was erst mit der Entwicklung im Ried ein Thema wird, oder der S-Bahn-Fahrplan werde grundsätzlich verändert. Etwa ab 2032, wenn für die S1 und S2 Viertelstundentakt vorgesehen ist.
Auch bei der Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern, genauer dem Amt für öffentlichen Verkehr und Verkehrskoordination, kennt man das Anliegen. Angebotsplanerin Bettina Heiniger, zuständig für die Region Bern Mittelland, ist es nicht möglich, bei Drucklegung dieser Zeitung noch eine definitive Antwort zu geben, aber: «In den nächsten Wochen kann mit einer Reaktion gerechnet werden.» Obwohl es «grundsätzlich ein bekanntes Anliegen» sei, werde in jedem Fall nochmals geprüft, «ob es möglich und sinnvoll ist».
Für das wachsende Ried
Staub-Muheim versteht, dass ein Fahrplan eine komplexe Angelegenheit ist. Doch: «Das Ried wächst weiter und wird in Zukunft um die 4000 Einwohner haben.» Bessere Verbindungen seien darum im Interesse vieler: «Eine Gemeinde unserer Grösse verdient einen Anschluss ans S-Bahn-Netz, der funktioniert.»