Die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen

Die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen

Das grüne Kreuz gehört weltweit zum Strassenbild. Hinter ihm stehen Apothekerinnen und Apotheker, die bei Fragen rund um Medikamente und Gesundheit beraten. Eine von ihnen ist Louise Casty.

Kaum jemand, der oder die noch nie einen Apotheker oder eine Apothekerin um Auskunft bat. Diffuse Halsschmerzen, ein Ausschlag nach dem Gärtnern, eine Entzündung am Zeh – hier sind sie oft die erste Anlaufstelle, bevor man einen Termin bei der Hausärztin abmacht. Sie prüfen Medikamentenrezepte, stellen bei Lieferengpässen auch mal einen Schmerzsirup selbst her, geben Tipps und bieten niederschwellig Impfungen an.

Viel Kundenkontakt
«An meinem Beruf gefällt mir besonders der tägliche Kontakt mit der Bevölkerung», erzählt sie beim Gespräch im Liebefeld. Ende Juni hat sie die Steinhölzli Apotheke an Nachfolger Mohammad Jamshidi übergeben. Einen Tag nach dem Ablegen des Staatsexamens fing sie 1990 als Verwalterin an, bevor sie das Geschäft fünf Jahre später kaufte. Trotz verschiedener Veränderungen im Gesundheitswesen blickt Casty positiv auf ihre Laufbahn zurück. «Ich würde mich immer wieder für diesen Beruf entscheiden», sagt sie. Ihr gefällt das fundierte Fachwissen, das sie täglich anwenden kann. «Gerade in einer Quartierapotheke wie der unseren haben wir viel Kundschaft mit einem ärztlichen Rezept», erklärt sie. «Dabei ist es wichtig, dass man einer Fachperson Fragen stellen kann.» Denn das beste Medikament nütze nichts, wenn man daran zweifelt oder es falsch einnimmt. Vom Bébé bis zum älteren Menschen begegnen Casty und ihr Team täglich Menschen mit unterschiedlichsten gesundheitlichen Anliegen.

Fundierte Ausbildung
Für die Arbeit in einer Apotheke gibt es unterschiedliche Ausbildungswege. Mit der dreijährigen Lehre als Fachfrau oder Fachmann Apotheke EFZ (früher Pharma-Assistent/-in) gibt es einen praxisorientierten Einstieg. Auch Louise Casty war es immer wichtig, Lernende auszubilden und ein gut qualifiziertes Team zu haben.

Um Apothekerin oder Apotheker zu werden, braucht es zuerst die gymnasiale Matura, die Berufsmaturität mit bestandener Passerelle oder einen Bachelorabschluss. Anschliessend folgt das Pharmaziestudium bis zum Masterabschluss. Es wird aktuell an den Universitäten Basel, Bern und Genf sowie an der ETH Zürich angeboten. Dass der Studiengang nach einem Unterbruch von 1995 bis 2017 wieder in Bern angeboten wird, erachtet Louise Casty als wichtig: «Ohne Berner Studienabgänger wäre es schwierig geworden, einen Nachfolger zu finden.» Vor gut 30 Jahren hatte sie noch gegen die Schliessung mitdemonstriert, nun freut sie sich umso mehr, einem der ersten Diplomierten übergeben zu können.

Anatomie, Biologie, Chemie. Mathematik, Physik, Physiologie: Das Studium umfasst viele naturwissenschaftliche und biomedizinische Grundlagen. Die Studierenden erlangen umfassendes Wissen über Arzneimittel, von der Forschung über die Herstellung bis zur Anwendung. Für die eidgenössische Berufsausübungsbewilligung folgt anschliessend ein Assistenzjahr in einer öffentlichen und in einer Spitalapotheke. Darüber hinaus eröffnet das Pharmaziestudium weitere Möglichkeiten, etwa in der Forschung oder in der Industrie.

Während öffentliche Apotheken in einigen Nachbarländern unter wirtschaftlichem Druck stehen, beurteilt Casty die Situation in der Schweiz positiver. Sie verweist auf politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die für die Branche wichtig bleiben. Der Wert der Apotheken sei in der Politik wieder angekommen. Die Bevölkerung werde immer älter, umso wichtiger sei ein flächendeckendes Apothekennetz. «Doch der Gesetzgeber muss das auch wollen.» Ein Beispiel sei das leistungsorientierte Abgeltungsmodell: «Für uns ist der Aufwand gleich gross, egal, wie teuer das Medikament ist.»

Tüftlerinnen und Dienstleister, von analog bis digital
Die Digitalisierung verändert auch die Arbeit in Apotheken. Für Casty bleibt der persönliche Kontakt dabei ein wichtiger Bestandteil der Beratung. Sie ergänzt: «Auch das beste System funktioniert nicht ohne Kunden, die treu bleiben und unsere Dienstleistungen schätzen.» Während es seit jeher um Gesundheit geht, hat sich doch vieles verändert. Casty erinnert sich, wie sie früher die Bestellungen noch telefonisch durchgab und Etiketten auf der Schreibmaschine beschrieb. Sie war dabei, als Apothekerinnen und Apotheker die ersten Grossisten gründeten. Heute kann sie über 40’000 Produkte innerhalb eines Arbeitstages besorgen, bis zu zweimal täglich kommt der Lieferant vorbei. Ein nächster Schritt seien das elektronische Rezept und weitere elektronische Programme, welche die Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft, den Apotheken oder auch der Spitex vereinfachen können. Gleichzeitig betont Casty die Wichtigkeit des Handwerkes: Sie hat immer wieder neue Rezepturen ausgetüftelt und Hausspezialitäten entwickelt oder zur Not auch nicht lieferbare Medikamente selbst hergestellt. Dienstleistungen wie das Impfen, Blutdruckmessen oder alles rund um Kompressionsstrümpfe sowie der kostenlose Hauslieferdienst runden das Wirken in einer Apotheke ab.

Nach mehr als drei Jahrzehnten in der Steinhölzli Apotheke hat Louise Casty die Verantwortung weitergegeben. Die Freude an ihrem Beruf ist ihr geblieben.

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