Wenn es plötzlich still wird

Wenn es plötzlich still wird

Seit 25 Jahren ist das Openair-Kino Schwarzenburg ein Ort der Begegnung. Hinter der Leinwand stehen ein eingespieltes Team, freiwilliges Engagement und die Überzeugung: Es soll vor allem Freude machen.

Kurz vor Filmbeginn herrscht auf dem Platz noch reges Treiben. Stimmen vermischen sich, Gläser klirren, der Duft von Essen liegt in der Luft. Menschen diskutieren, lachen und geniessen den Sommerabend. Doch dann beginnt der Film, und innerhalb weniger Sekunden kehrt Ruhe ein. Rund 300 Menschen sitzen plötzlich mucksmäuschenstill. «Man muss fast nachsehen, ob sie überhaupt noch da sind», sagt Dominik Mäder lachend. Für den Zahntechniker und Kulturfan ist genau dieser Wechsel der besondere Moment: die Begegnungen vor dem Film und danach kurz durchatmen, hinter die Bar gehen, eine Erfrischung geniessen und den Augenblick wirken lassen. Seit 25 Jahren gehört diese Stimmung zum Sommer in Schwarzenburg. Was einst als kleine Idee einer Handvoll kulturbegeisterter Menschen begann, ist heute ein fester Bestandteil des Dorflebens. Mäder ist seit den Anfängen dabei und kennt das Openair-Kino wie kaum jemand. Markus von Holtey, Filmfan und seit drei Jahren Teil des Teams, bringt seine Erfahrung in den Bereichen Sponsoring, Marketing und Webseite ein. Gemeinsam erzählen sie von einem Projekt, das bewusst klein geblieben ist und gerade deshalb Bestand hat.

Klein, pragmatisch, vertraut
Der Erfolg des Openair-Kinos liegt für Mäder und von Holtey weniger in grossen Konzepten als in der Zusammenarbeit. Rund sieben Personen bilden das Kernteam, insgesamt sind während der vier Abende rund 50 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Die Hierarchie ist flach, die Aufgaben sind klar verteilt. Jeder hat sein Ressort und innerhalb der Rahmenbedingungen viel Freiraum. Olivia Mäder und Reto Meyer verantworten die Filmauswahl, Pascal Sutter die Technik sowie den Auf- und Abbau, Ueli Hunziker und Sandra Randazzo das Catering. Elia Grobbauer koordiniert die Bar und die Helfenden. Vieles funktioniert über Vertrauen und kurze Wege.

Ein Ort, der Menschen verbindet
Ein wichtiger Teil der Magie ist der Standort. Das Gelände beim alten Schulhaus an der Schlossgasse verwandelt sich für wenige Tage in eine stimmungsvolle Kinokulisse mitten im Dorf. Viele kommen zu Fuss, manche auch nur für Crêpes, Pizzas oder ein kühles Getränk. Das Openair belebt den Ort, und auch die Nachbarschaft trägt das Projekt mit. Schon vor Filmbeginn entsteht eine besondere Atmosphäre: Kinder, Jugendliche, Familien und ältere Stammgäste kommen miteinander ins Gespräch. Die Helfenden sind zwischen 11 und über 80 Jahre alt. Diese Vielfalt spiegelt sich auch im Publikum. «Man sieht Familien, Jugendliche und ältere Paare. Viele kommen seit Jahren immer wieder», sagt von Holtey. Das Openair Kino sei kein Anlass für eine bestimmte Zielgruppe, sondern ein Ort, an dem sich das Publikum in seiner ganzen Vielfalt wiederfinde. Auch das Programm trägt dazu bei: Blockbuster wechseln sich mit Schweizer Filmen und Produktionen mit mehr Tiefgang ab. Über 1000 Besucherinnen und Besucher finden jedes Jahr den Weg ans Openair-Kino. Grösser wolle man bewusst nicht werden. «Familiär soll es bleiben», sagt Mäder.

Erfolg ohne Wachstumsdruck
Finanziell bleibt das Openair Kino ein Balanceakt. Rund ein Drittel der Kosten wird dank der Unterstützung kleiner und mittlerer Betriebe aus der Region durch Sponsoring gedeckt, ein weiteres Drittel über die Eintritte. Den restlichen Teil erwirtschaftet die Gastronomie. Trotz dieses Spagats setzt das Team auf bewährte Abläufe und bleibt offen für neue Menschen. Viele Helferinnen und Helfer engagieren sich seit Jahren. Zwei Monate nach dem letzten Film trifft sich die Crew jeweils zum Helferfest. Dann wird Bilanz gezogen und die entscheidende Frage gestellt: Machen wir es nochmals? Solange genügend Hände hochgehen, geht es weiter. Ans Aufhören hat Mäder nie gedacht. «Im Gegenteil», sagt er schmunzelnd, «ich sehe mich schon vor dem geistigen Auge, wie ich vom Altersheim drüben mit dem Rollator rüber ans Openair Kino schiebe. Solange ich kann, bin ich dabei.»

Zum 25-jährigen Bestehen bleibt das Openair Kino seinem Charakter treu. Ein Überraschungsfilm, kleine Anekdoten für das Publikum und dank eines Crowdfunding-Projekts von «Lokalhelden» erstmals ein offizielles Crew-T-Shirt setzen im Jubiläumsjahr besondere Akzente. Doch wichtiger als all das bleibt, was das Openair-Kino seit 25 Jahren ausmacht: Gemeinschaft, Begegnung und jener besondere Moment, wenn das Stimmengewirr verstummt, der Projektor anläuft und Hunderte Menschen unter freiem Himmel dieselbe Geschichte erleben.

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