Die grossen Visionen nach kleiner Enttäuschung

Die grossen Visionen nach kleiner Enttäuschung

Längst ist der Sieger Adrian Walther gekürt und der Frust der Sensler, ohne Kranz am heimischen Bergfest dazustehen, passé. Doch der erneute Blick auf das Tableau lohnt, den er deckt Tendenzen der Zukunft auf.

Unabhängig vom Sieger, einmal mehr geht das Schwarzsee-Schwinget als gelungener Anlass in die Geschichtsbücher ein. Auch wenn der Reserveplatz einen Steinwurf weiter weg vom magischen Bergsee liegt. Und die Hoffnungen bleiben intakt, dass der einstige Schwingplatz wieder zur Verfügung stehen könnte. Aus sportlicher Sicht war die Austragung 2026 aber für viele eine Enttäuschung. Klar, an einem Bergfest hat es weniger Startplätze und ein hochkarätiges Feld. Doch die Sensler sind mit viel Vorschusslorbeeren angetreten, das Verpassen der Kränze schmerzt deshalb schon.

Verpasster Auftakt
Da wäre einmal der ungünstige Feststart vom Jungtalent Leon Pellet. Nach zwei Niederlagen in den ersten zwei Gängen steht fest, er kann trotz so vielen gewichtigen Notenblättern in vergangenen Festen mit vielen Eidgenossen, die gewonnenen Erfahrungen noch nicht ganz ummünzen. Noch muss sich der 19-Jährige für den grossen Durchbruch ein wenig in Geduld üben. Noch mehr Erwartungen hegt das Publikum bei Christoph Baeriswyl. Nach seinem Glanzauftritt am Freiburger-Kantonalen wäre er für eine Überraschung am Schwarzsee genau der Richtige. Doch auch sein Start misslingt mit einer Niederlage gegen den Eidgenossen Patrick Schenk. Durchstarten kann er anschliessend nicht mehr. Für den Schwinger aus St. Antoni gilt: es ist ein Fest zum Abhaken, getreu dem Motto: «kann es mal geben, Sägemehl abklopfen und weiter machen.» Noch ärger trifft es den bisher gross auftrumpfenden Silvan Zbinden. Er zieht sich im vierten Gang gegen Luc Bissig eine Nackenverletzung zu und muss das Fest frühzeitig beenden. Laut seinen Angaben, könne er aber bald wieder mitschwingen. Möge dem so sein. Der etwas routiniertere Nicolas Sturny konnte ebenfalls nicht in die Bresche springen. Er gewinnt zwar als einziger der Sensler Spitzengruppe den Startgang, doch danach gerät auch sein Motor ins Stocken. Man ist geneigt zu sagen, dass Altmeister Steven Moser schmerzlich vermisst wird. Er muss sich einer Operation unterziehen und nach seinem starken Auftritt am Freiburger-Kantonalen die Saison bereits beenden. Doch diese Sichtweise greift zu kurz.

Aus Frust wird Lust
Die Westschweizer hätten es einfacher an Sternchen zu kommen und büssen jeweils ein, wenn Berner, Innerschweizer oder Ostschweizer im Fest eingreifen, so die landläufige Meinung vieler Schwingsportfans. Es mag vielleicht sogar sein, dass ein Kranz an einem Wadtländer-Kantonalen ein wenig einfacher zu gewinnen ist, aber mit der effektiven Stärke hat das – mit Verlaub – wenig zu tun. Zwei Beispiele: Romain Collaud bezwingt am Schwarzsee im ersten Gang Michael Moser und beschert dem Berner Supertalent die erste Saisonniederlage. Collaud verpasst den Schlussgang nur knapp. Er ist jederzeit in der Lage, ganz grosse Namen auf den Rücken zu legen. Nicht immer, aber immer öfter. Das zweite Beispiel markiert Laurent Tornare. Der 19-Jährige Greyerzer trainierte diesen Winter öfters mit den Schwarzenburgern – und legte sie auch dank seinen Modellmassen reihenweise aufs Kreuz. Noch bleibt ihm der Erfolg auch am Schwarzsee verwehrt, aber der 19-Jährige bodigte schon mal Eidgenosse Silvan Appert und den starken Oberländer Luca Vögeli. Seine Zeit wird kommen, denn in der Westschweiz gehen ihm schon bald die Gegner aus. Nimmt man das Talent von Silvan Zbinden und Leon Pellet dazu, denkt noch an einige verletzte junge Schwinger in den Reihen der Sensler, dann reift hier eine Generation heran, die dem Südwestschweizer Verband noch viel Freude bereiten wird. Vielleicht geht es sogar schneller als man denkt und aus dem Frust am Schwarzsee wird Lust an anderen grossen Festen.

Die Vision
Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man einen Blick in die Reihen der Jungschwinger wirft. Auch hier steht etwa mit dem 13-jährigen Jérôme Overnay ein grossgewachsenes Talent aus Alterswil bereit, dass in diesem Jahr bei den Jungschwingern glänzt –etwa mit dem Festsieg in seiner Altersklasse bei den Jung-
schwingern am Freiburger-Kantonalen. Auch er greift schon heute mit jungen Schwarzenbrugern zusammen. Und das ist nur ein Beispiel. Der Präsident des Sensler Schwingklubs, Stefan Zbinden, sagte schon am Saisonauftakt beim Abendschwinget in Plaffeien, dass er grosse Hoffnungen in seine jungen Schwinger legt. Er ist sich sicher, dass hier Schwinger heranreifen, die den ganzen Verband nach vorne bringen können. Vielleicht ein wenig so, wie das den Nordwestschweizern in den vergangenen Jahren mit ehemaligen Jungtalenten wie Sinisha Lüscher oder Marius Frank gelungen ist. Eine Vision und kein Traum. Denn es gibt bereits genug Anzeichen dafür. Überraschende Siege, Schwinger, die sich nicht verstecken und eine gewisse Breite an jungen Talenten. Alles ist da. Was jetzt noch fehlt ist der Durchbruch. Geduld ist gefragt.

Und da gibt es einen Schwinger aus den Berner Reihen, der am Schwarzsee genau diesen Durchbruch geschafft hat und den Senslern fast ein wenig einen Blick in die Zukunft schenkt: Daniel Tschumi. Der Oberaargauer tritt als Nachgemeldeter an, stellt Lario Kramer, bodigt Lukas Bissig und steht im Schlussgang. Mit 21 Jahren und nach einigen Verletzungspausen, ist diese Saison sein grosser Durchbruch. Mittlerweile mit einer weiteren Spitzenplatzierung am Bernisch-Kantonalen. So schnell kann es gehen. Und es ist keineswegs verwegen, wenn man feststellt: So ein Weg ist auch für Pellet, Zbinden, Baeriswyl und Co. machbar. Nur noch nicht am Schwarzsee-Schwingfest 2026.

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