Die Natur als Gefahrenherd

Die Natur als Gefahrenherd

Eines muss man mir lassen (ganz schön selbstsicher, nicht wahr): Es gelingt mir regelmässig, für diese Rubrik, «Zufällig getroffen», mit interessanten Leuten ins Gespräch zu kommen. Aber das liegt weniger an mir selber. Gleich folgt der Beweis.

Martin Buser, Sie wohnen mit Ihrer Frau seit 12 Jahren in Mamishaus bei Schwarzenburg. Und zuvor?

Zuvor haben wir 27 Jahre im Gürbetal gelebt, in Kaufdorf, auch eine sehr schöne Gegend.

Wie waren Sie beruflich unterwegs?

Ich bin ausgebildeter Sekundarschullehrer, aber die meisten Jahre meiner Berufszeit habe ich andernorts verbracht.

Nämlich?

Zuerst beim Bundesamt für Zivilschutz BZS, dem heutigen Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS, welches Bundesstellen, Kantone, Gemeinden und Partnerorganisationen des Bevölkerungsschutzes wie Polizei und Feuerwehr im Bereich Führung und Stabsarbeit ausbildet, koordiniert und unterstützt. Danach habe ich ins Bundesamt für Umwelt gewechselt. An beiden Orten habe ich fast 30 Jahre gearbeitet – und viel gelernt (schmunzelt).

Was genau?

Sie erinnern sich bestimmt auch an die Hochwasser 2005. Die Schweiz traf das ziemlich unvorbereitet. Es war Bundesrat Samuel Schmid, der daraufhin eine Taskforce für die Prävention von Naturgefahren ins Leben gerufen hat. Ich hatte, aufgrund meiner Erfahrungen in beiden Departements, die Ehre, in die Gruppe aufgenommen zu werden, und erhielt den Auftrag, den Fachstab Naturgefahren auf Stufe Bund aufzubauen, welchen ich als Stabschef auch führen durfte.

Was waren das für Leute, die da einsassen?

Das sind, um nur einige aufzuzählen, Hydrologen, Meteorologen sowie Spezialisten vom Schweizerischen Erdbebendienst SED, der ETH und vom Schnee- und Lawinenforschungsinstitut SLF. Auch das BABS war vertreten, um den Bereich der Führung abzudecken.

Und wie haben Sie die Sache in die Hand genommen, zu Beginn?

Wir haben einen Krisenstab ad hoc gebildet, damit wir im Bedarfsfall schnell und unbürokratisch handeln können. Bei einem Ereignis kann man schliesslich nicht zuerst Arbeitsgruppen bilden, um danach ein mögliches Vorgehen zu besprechen, wenn möglich, möglichst noch politisch breit abgestützt. Da müssen vorgängig vorbereitete, eingespielte Mechanismen zum Tragen kommen. Diese Vorbereitungen wurden im Fachstab Naturgefahren getroffen und eingespielt.

Geben Sie uns doch ein Beispiel.

Woraus wir gelernt haben und was sich daraus ergeben hat: Ein Abflussmanagement auf der Basis von Vorhersagen.

Das heisst?

Aufgrund der heutigen meteorologischen Prognosen, die sehr genau sind, kann man im Team – ich gehöre als Pensionierter bei dieser spannenden und verantwortungsvollen Arbeit heute leider nicht mehr dazu – voraussagen, wo sich ein Hochwasser anbahnt. Es kann sich um Starkregen, um heftige Gewitter oder Schneeschmelze handeln. Bei Letzterem sind vor allem die Leute vom SLF unentbehrlich, die über die Schneeverhältnisse Bescheid wissen. Meistens sind es Kombinationen verschiedener Naturgefahren, welche zu grossen Schadenereignissen führen.

Was passiert dann?

Nehmen wir die Aare – Gleiches gilt aber in ähnlicher Form für die Reuss und den Vierwaldstättersee respektive die Linth bzw. die Limmat und den Zürichsee mit Walensee und die Sihl mit dem Sihlsee. Bahnt sich Hochwasser an, kommen der Schleuse am Wehr in Port, welche die Jurarandseen reguliert, und dem Bielersee Schlüsselrollen zu. Mit der Schleuse wird der Wasserstand der Seen angepasst, welche dann als Rückhaltebecken dienen, um den Wasserstand der Aare vom Bielersee abwärts möglichst konstant zu halten und um damit Überschwemmungen zu vermeiden.

Kann der Krisenstab Einfluss nehmen?

Ja. Bereits der Zufluss grosser Wassermengen der Aare in Bern kann problematisch sein. Da gilt es, die Pegelstände des Thuner- und Brienzersees mit in die Lagebeurteilung einzubeziehen. Heisst auch: Um das Berner Mattenquartier nach bestem Wissen zu schützen, müssen dort mobile Wasserschutzmassnahmen getroffen werden. Sie können sich sicher erinnern, wie das 2005 dort aussah.

Gibt es auch andernorts solche Projekte?

Ja, zum Beispiel die dritte Rhonekorrektur, von der seit Jahrzehnten die Rede ist, die jedoch immer wieder blockiert wird. Die Politik spielt da eine eher zwiespältige Rolle, bei diesem 3-Mrd.-Vorhaben, dessen Realisation nötiger ist als früher. Nur einige Wochen vor den gewaltigen Überflutungen vor zwei Jahren hat nämlich die Walliser Politik sozusagen das Dossier wieder auf die Pendenzenliste gelegt. Mit den bekannten fatalen Folgen.

Tja, die lieben Walliser und wir Üsserschwyzer … Ich bin regelmässig im Wallis, könnte ein Buch schreiben. Aber lassen wir das. Eine letzte Frage: Sie haben die komplizierteste Mailadresse, die ich kenne. Woher die Idee?

(Schallendes Lachen, auch von seiner Frau Christine, die neben ihm Platz genommen hat). Nun, als die Mailadressen aufkamen, da waren Martin Buser@ etc. längst besetzt. Ich war schon früh Motorrad-Fan, und auf meinem Helm stand etwas ganz Bestimmtes, das habe ich als Mailadresse übernommen. Aber ja, Sie sehen das schon richtig, unglaublich kompliziert, weshalb ich sie immer mehrmals buchstabieren muss. Werde wohl etwas ändern (vielleicht) …

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