«Ein Stück Herz weitergeben»

«Ein Stück Herz weitergeben»

Die drei Schwestern Ameli, Nadja und Francin aus Flamatt gehören zu einer jungen Generation, die das Jodeln mit Selbstverständlichkeit und Präzision pflegt. Als «Terzett Geschwister von Niederhäusern» treten sie regelmässig auf, entwickeln ihren Klang stetig weiter und zeigen, wie lebendig und vielseitig die Volksmusik heute ist.

Musik begleitet die drei Schwestern seit ihrer Kindheit. In ihrer Familie wurde immer gesungen und musiziert, und früh fanden sie Zugang zum «Chörli», das ihnen das Jodeln näherbrachte. Anfänglich war ihnen die Volksmusik völlig fremd. Was sie früher selbst kaum kannten, leben Ameli (22), Nadja (20) und Francin (18) heute als ihre Leidenschaft aus. Sie arbeiten sorgfältig an ihren Stimmen, üben regelmässig und entwickeln ihre Stücke gemeinsam weiter. Sie besuchen keinen Gesangsunterricht, sondern erarbeiten die Lieder eigenständig. Jede Stimme muss präzise sitzen, bevor sie gemeinsam proben.

Vom Chörli auf die Bühne
Als Terzett treten sie offiziell seit 2023 auf. Ein Terzett beschreibt eine dreiköpfige Gesangsgruppe, die gemeinsam mehrstimmig singt und ihren Klang bewusst aufeinander abstimmt. Im selben Jahr meldeten sie sich erstmals als «Terzett Geschwister von Niederhäusern» beim Folklorenachwuchs-Wettbewerb an. «Wir wollten eine Rückmeldung von einer Fachjury bekommen», erinnern sie sich. Natürlich hofften sie, möglichst weit zu kommen. Doch im Vordergrund stand die Neugier, wie ihr Gesang professionell bewertet würde. Dass sie den Wettbewerb gewinnen würden, hatten sie nicht erwartet. «Wir waren ziemlich überrascht, und es war ein überwältigendes Gefühl.»

Freude und Ehrgeiz
Die Geschwister treten seither mehrmals im Jahr auf. Sie geben Konzerte, nehmen an Vereinsanlässen teil und singen auf kulturellen Veranstaltungen. Jeder Auftritt hat für sie eine eigene Atmosphäre, geprägt vom Publikum, das je nach Ort unterschiedlich reagiert. Sie erzählen, dass Jodeln nicht gleich Jodeln sei. «Im Appenzell jodelt man anders, als wir es hier tun», erklärt Ameli. Obwohl jede musikalische Veranstaltung für sie ein Highlight ist, war ein Auftritt besonders eindrücklich: das Neujahrskonzert im Kultur- und Kongresszentrum Luzern vom Eidgenössischen Jodlerverband. Im Vordergrund steht aber immer Freude zu haben und Freude zu bereiten. Die vielen schönen Feedbacks nach ihren Auftritten freuen die Schwestern sehr. «Es ist wirklich so, dass wir ein Stück Herz weitergeben», lächelt Ameli.

Schweizer Kultur
Das Jodeln nimmt viel Platz in ihrem Leben ein, bleibt für die jungen Frauen aber ein Hobby. Die beiden jüngeren Schwestern besuchen derzeit das Gymnasium, und Ameli hat dieses gerade abgeschlossen und wird bald eine Zweitlehre beginnen. Ihr Engagement für die Musik ist bemerkenswert. Sie erhalten viel Unterstützung von ihren Eltern, organisieren sich aber weitgehend selbst. Konzertanfragen besprechen sie immer gemeinsam, bevor sie zusagen können. Das bedeutet viel organisatorisches Geschick und viele Abende oder freie Nachmittage, an denen sie zusammen planen. «Wir versuchen, so viele Anfragen wie möglich anzunehmen, aber das ist nicht immer machbar», sagt Nadja. Für die Schwestern ist Jodeln keine nostalgische Kunstform, sondern ein lebendiger Teil der Schweizer Kultur. Seit sie selbst jodeln, erleben sie, wie viele junge Menschen sich dafür interessieren und wie vielfältig die Szene geworden ist.

Gemeinsame Sache
Wie unter Geschwistern üblich, läuft untereinander nicht immer alles bestens. Aber die drei Frauen machen den Eindruck, als würden sie sich immer finden. Francin äussert sich hierzu: «Es ist schön, ein Hobby mit den Schwestern zu teilen, es verbindet uns.» Die Zeit, die sie miteinander verbringen – vom Proben bis hin zum Auftritt auf der Bühne – ist intensiv. Aber umso schöner, wenn man eine Vertrauensperson neben sich hat, die solche Erlebnisse mit einem teilt. Es lässt sie als Team noch enger werden.

Im Sommer finden weniger Veranstaltungen rund ums Jodeln statt, weshalb diese Zeit für die drei Frauen etwas ruhiger ist. Bald beginnen die Sommerferien, und die hart arbeitenden Jodlerinnen dürfen hoffentlich entspannt durchatmen. Für den Herbst haben die Geschwister von Niederhäusern bereits mehrere Projekte geplant. Mit jeder neuen Erfahrung wächst ihre Routine, und sie fühlen sich auf der Bühne zunehmend sicher. Auch wenn die Nervosität vor Auftritten bleibt, vertrauen sie auf ihr Können, auf ihre Vorbereitung und darauf, dass jemand Wichtiges nur eine Armlänge entfernt steht.

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