«Ich wohne zwar allein, bin aber nie einsam»

«Ich wohne zwar allein, bin aber nie einsam»

Die Reportage heute beweist es einmal mehr: In unserer Rubrik «Zufällig getroffen» kommen wir immer wieder an interessante Leute heran. Heute gleich in einer Art Doppelpack. Wir durften uns mit Vreni Grünig aus Köniz und mit Elisabeth «Mimi» Hefti aus dem Liebefeld unterhalten.

Vreni Grünig, Ihr Leben im Zeitraffer?

(Lacht) Sie sind ein Lustiger, im Zeitraffer? Nun versuchen wir es doch mal. Geboren und aufgewachsen bin ich in Rothrist, im Kanton Aargau. Ich habe Goldschmiedin gelernt und zehn Jahre in diesem Beruf gearbeitet.

Elisabeth Hefti?

Ich bin in Gümligen zur Schule gegangen, habe eine Ausbildung zur Pharma-Assistentin absolviert, habe dann aber einen ganz anderen Weg eingeschlagen, als, wie man heute sagt, Flugbegleiterin bei der Swissair. Der Beruf hiess früher «Stewardess».

Ich versuche den Glückstreffer. Sagt Ihnen der Name Astrid Mauerhofer etwas? Sie gehörte bei der Swissair auch Ihrer Berufsgilde an …

(Scheint völlig überrascht) Astrid Mauerhofer? Sicher doch! Eine einzigartige Frau in ihrer Art.

Ist sie noch immer. Sie wohnt auch in der Gemeinde, in Wabern.

Sagen Sie ihr einen Gruss. Unbedingt!

Das machen wir doch gleich hier. Astrid, ich hänge mich dem Gruss gleich an … Vreni Grünig, zurück zur Goldschmiedin. Wie ging es in Ihrem Leben weiter?

Nun, wie es vielen Frauen so geht. Ich habe geheiratet, einen Witwer mit zwei Kindern, war – ebenfalls mit gemeinsamen Kindern – 19 Jahre lang Hausfrau und Mutter. Nein, nicht nur. Ich habe meinem Mann die Administration seines Geschäfts abgenommen. Mit 45 Jahren habe ich mich entschlossen, wirklich Neues in Angriff zu nehmen, bei der Ausbildung zur Pflegefachfrau.

Elisabeth Hefti, Sie schmunzeln …

Aus gutem Grund, denn unsere Berufe haben Vreni und mich zusammengebracht.

Wie das?

Ich habe nach meiner Flugi-Zeit wieder meinen Beruf als Pharma-Assistentin in einem Pflegeheim aufgenommen, wo auch Vreni Grünig angestellt war. Sie hat in jener Zeit eine Zusatzausbildung gemacht und im Inselspital in der Abteilung für akute Leukämie gearbeitet. Die Insel wurde auch bei mir neue Arbeitgeberin in den Bereichen Urologie und Medizin. Zudem war ich bei der Bewachungsstation im Einsatz, wo Menschen mit eher zweifelhaftem Hintergrund versorgt wurden, vom eigentlichen Spitalleben ausgeschlossen, damit sie nicht flüchten konnten. Damals war diese Station in den Kellern des Hochhauses untergebracht, Tageslicht praktisch inexistent. Das hat sich geändert, wie ich höre.

Vreni Grünig, als ehemalige Pflegefachfrau: Wie hat sich der Beruf in den letzten Jahrzehnten verändert?

Ich bin längst nicht mehr berufstätig, höre aber von noch aktiven Kolleginnen, dass sie immer mehr Zeit mit Administrativem am PC verbringen, als an den Krankenbetten.

Elisabeth Hefti, damit sind ja auch steigende Kosten verbunden. Wie kriegen wir diese Kosten in den Griff?

Hier braucht es eine Politik der anhaltend kleinen Schritte. Als Beispiel: Weshalb dürfen Leute die Notfallstationen an Wochenenden mit einer simplen Erkältung beanspruchen? Da müsste doch die Politik einschreiten, auf Druck der Krankenkassen. Und zwar sofort. Wer unser System beansprucht, um nicht zu sagen missbraucht, soll auch dafür bezahlen. Ist das denn so schwierig?

Wir unterhalten uns in der Altjahreswoche. Vreni Grünig, was bleibt Ihnen vom vergangenen Jahr in Erinnerung?

Mein Partner ist vor zwei Jahren gestorben. Wir haben damals gemeinsam bei ihm gewohnt, meine Wohnung in Köniz habe ich dennoch nicht aufgegeben. Zum Glück nicht, denn der Zusammenhalt unter uns Bewohnenden im Block ist grossartig. Man kann es auch anders sagen: Ich bin zwar allein, aber nie einsam.

Elisabeth Hefti, Ihr Wunsch für 2026?

Das, was wir uns alle wünschen: Frieden auf der Welt. Wissen Sie, mit den heutigen Kommunikationsmitteln erfahren wir sofort alles Negative auf dieser Welt in Echtzeit, gewöhnen uns daran, stumpfen ab. Katastrophen und Kriege – Gaza, Ukraine – gehören zum Alltag. Das darf doch nicht sein!

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