In Heitenried werden Fussballtalente geboren

In Heitenried werden Fussballtalente geboren

Die 1400-Seelen-Gemeinde ist weit mehr als ein Ort, wo man im Hügelland des östlichen Freiburger Mittellands die Aussicht und die reine Luft geniessen kann. In dieser Gegend werden auch Fussballtalente geboren. Das jüngste Beispiel ist Lucien Dähler, 25-jähriger Aussenverteidiger. Er hat wesentlichen Anteil daran, dass sich der FC Thun am Ende der vergangenen Saison in seiner 128-jährigen Vereinsgeschichte zum ersten Mal als Schweizermeister feiern lassen konnte.

Der frischgebackene Meisterspieler klärt uns auf: «Michel Aebischer ist mein Cousin zweiten Grades, wir sind nebeneinander aufgewachsen und haben oft auf den Rasenplätzen in der Umgebung zusammen gekickt.» Offensichtlich mit positiven Folgen. Aebischer hat mit den Young Boys vier Meistertitel und auch den Cup gewonnen, ist Nationalspieler und seit vier Jahren Stammspieler in der Serie A beim FC Bologna und zuletzt beim Pisa SC. Die beiden Cousins sind auch seit Aebischers Weggang nach «bella Italia» in regem Kontakt und telefonieren fast wöchentlich miteinander. «Ich verfolge seine Partien, wann immer es möglich ist, und er ist auch stets auf dem Laufenden, wie es mir beim FC Thun ergeht. Michel war einer der Ersten, der mir zum Titelgewinn gratuliert hat», sagt er nicht in seinem für einen Berner schwer zu verstehenden Seislerdialekt, sondern in einer Sprache, die auch für Nicht-Freiburger verständlich ist. «Den Seisler-Dialekt bewahre ich mir für meine Gespräche mit Michel auf, doch auch die Oberländer im Team verstehen mich gut», sagt Lucien Dähler mit einem strahlenden Lachen.

Der Stolz des FC Seisa 08

Begonnen hat Dählers fussballerische Laufbahn im FC Seisa 08, der aus der Fusion des FC St. Antoni und des FC Heitenried vor 18 Jahren entstanden ist. Wie gross der Stolz der Mitglieder des FC Seisa 08 ist, jetzt einen Meisterspieler zu kennen, der aus ihren Reihen hervorgegangen ist, sieht, wer einen Ausflug in die Region unternimmt oder die Homepage des Vereins besucht. Am Klubhaus hängt ein riesiges Transparent mit der Aufschrift «Wir gratulieren Lucien Dähler zum Schweizermeistertitel», umrahmt mit dem Vereinslogo des FC Thun und dem Gemeindewappen von Heitenried.

Dählers Blick zurück

Lucien Dähler wagt einen Blick zurück auf die erfolgreichen letzten drei Jahre in der Geschichte des FC Thun. «Diese drei Jahre spiegeln unseren gesamten Weg wider, den die sportliche Führung, Mauro Lustrinelli und sein Trainerteam und die ganze Mannschaft gegangen sind. Wir wurden immer stärker, liessen uns auch nach dem ersten missglückten Aufstieg nicht von unserem Weg abbringen und fühlten, dass es für jeden Gegner immer schwieriger wird, uns zu bezwingen. Es sind schöne Erinnerungen, mit der Zeit gewöhnten wir uns daran, zu gewinnen.» Der schnelle Aussenverteidiger fühlt sich wohl in Thun und hat seinen Vertrag im Winter bereits vorzeitig um zwei Jahre mit einer Option für ein weiteres Jahr verlängert, auch weil er von der Art und Weise, wie in Thun auf allen Ebenen gearbeitet wird, überzeugt ist. «Hier funktioniert alles perfekt, es werden keine Kurzschlussentscheidungen gefällt, Mauro Lustrinelli wusste, dass er nach zwei Niederlagen nicht entlassen wird.» Mit dem Vertrauen, das Dähler in den gesamten Verein besitzt, spricht er auch Präsident Andres Gerber und Sportchef Dominik Albrecht ein Lob aus. Und nicht zuletzt Mauro Lustrinelli. «Er hat es verstanden, die Spieler so zu führen, dass wir jeden Tag, in jeder Trainingseinheit ans Limit gegangen sind, mit dem Willen, uns stets zu verbessern und Fortschritte zu erzielen. Er beharrte auf Leistung, hat nie ein Nachlassen erlaubt und korrigierte auch Kleinigkeiten, ich bin ihm sehr dankbar.»

Jetzt der Blick voraus

Als wir im Stadion zusammensitzen, richtet sich der Blick bereits auf den ersten Gegner in der Champions-League-Qualifikation: Dinamo Zagreb, den kroatischen Rekordmeister mit 26 Titeln – kein Spaziergang für die Thuner. Vielleicht erinnern Sie sich an den Kantonsrivalen: Vor sechs Jahren schoss Guillaume Hoarau mit zwei Toren im Stadion Maksimir YB in die Champions League. Dähler nimmt die Ausgangslage gelassen. «In Thun ist der Druck nicht so gross wie in anderen Klubs», meint er.

Vorfreude ist gross

Auf die kommende Saison angesprochen, strahlen Lucien Dählers Augen. «Ich empfinde vor allem eine riesige Vorfreude auf die internationalen Begegnungen, die uns erwarten, und auch auf die Meisterschaft. Was wir zuletzt erlebt haben, ist das Schönste, das man sich vorstellen kann, das Schönste auch, das ich bisher erleben durfte. Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir jetzt gefordert werden, dass jeder den Meister bezwingen will und wir uns bestätigen müssen.» Das Training unter dem neuen Trainer Gian-Luca Privitelli haben die Thuner bereits aufgenommen. Für Dähler bleibt nicht mehr viel Zeit, den See und die Berge zu geniessen, wie er dies in ruhigeren Zeiten im Familienkreis oder mit Teamkollegen zu tun pflegt. «Ich bin hier in Thun glücklich, deshalb habe ich meine Zelte auch hier aufgeschlagen.» Möglich, dass es zwischendurch doch auch in fussballerisch anstrengenderen Zeiten für ein Bad im Thunersee reicht, so wie es die gesamte Mannschaft heute nach dem Training im Lachenstadion getan hat.

 

Zur Person
Lucien Dähler wurde am 22. März 2001 in Freiburg geboren. Seine Karriere begann beim FC Seisa 08. 2012 wechselte er ins Team Freiburg, seit 2017 spielt er für den FC Thun, vorerst im Nachwuchs und seit 2022 in der 1. Mannschaft.

Kontakt

Datenupload

Der einfachste Weg uns Ihre Daten zu senden!

Werbeberatung

Step 1 of 2