Die Performance an diesem Samstag dient als Trauerbewältigung, zu der die Öffentlichkeit eingeladen wurde. «Begleitet mich, begegnet Unbekannten, werdet spontan kreativ», wendet sich Schwerzmann zum Publikum.
Zusammensein stärken
Von allen Seiten strömen Interessierte an diesem Samstag zum Ort des Geschehens. Was werden die nächsten Stunden wohl bringen? Bei der Aktion geht es um die Zeit einer Trauernden – von der Ablösung bis zur Wiedereingliederung. Mit symbolischen Handlungen soll das Zusammensein gestärkt und das Publikum auf das gemeinsame Menschsein zurückgeführt werden. Vor einem roten Mazda aus den 90er-Jahren, ein Symbol als Teil von Schwerzmanns Kindheit, liegen allerlei Alltagsgegenstände. Davor kauert der Schlagzeuger Julian Sartorius und schlägt darauf den Rhythmus für die gemeinsame Reise – wohlgemerkt mit Handschuhen, denn es ist bitterkalt. Die unüblichen Klänge sind wohl selbst im leise vorbeifahrenden Bus zu hören. Die Fahrgäste schauen neugierig durch die Scheiben. Noch ein Glas Glühwein, dann geht es zu Fuss und mit dem Tram ins Tscharnergut weiter.
Viel Holz und lauter Blues-Trash
Das Kollektiv Frei_Raum stellt unter dem Namen «Heitere Sarg» handgefertigte Särge her. Zusammen mit Sarah baut es an diesem Abend in der Werkstatt einen hölzernen Sarg – ein Symbol für Wandel, Begegnung und Transformation. Sie schmücken ihn mit Blumen und beschriften das Holz mit sinnigem Text. Draussen heizt Lalla Morte mit ihrer Fakir-Show ein. Und dann folgt wohl der Höhepunkt der Wanderung: der Auftritt des unvergleichlichen Reverend Beat-Man. An diesem Abend hat er seine One-Man-Band verstärkt mit Benjamin Glaus und Milan Slick. Gospel, Blues, R&B, Garagerock – alles ist dabei und sorgt für eine äusserst ausgelassene Stimmung. Die Tscharni-Werkstatt bebt. Im Publikum entsteht ein Gefühl intensiver Verbundenheit und kollektiver Zugehörigkeit.
In Bewegung bleiben
Sonntagmorgen: In den frühen Morgenstunden ist die Künstlerin zu Fuss unterwegs – bei minus elf Grad – und spaziert über Köniz durch den Wald auf den Gurten, dann zum Helvetiaplatz und von dort nach Wabern in die Heitere Fahne. Dieser Teil steht für den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Für den Erzähler, Poeten, Sänger und Performer
Michael Fehr und die Sängerin, Performerin, Multi-Instrumentalistin und Klangkünstlerin Andrina Bollinger steht die Bühne bereit. Die beiden treten zum ersten Mal gemeinsam auf und entziehen sich dabei allen Genregrenzen. Schwerzmann kocht derweil draussen auf offenem Feuer gemeinsam mit dem Publikum Suppe. Ihre Heiterkeit ist ansteckend. Ob sie nicht müde sei, nach 24 Stunden ohne Schlaf? Sie lacht: «Es waren 48 Stunden! Ich konnte schon die Nacht vorher nicht schlafen. Es war Vollmond.»
Sarah Elena Schwerzmann wurde 1981 in Köniz geboren und ist eine multidisziplinäre Künstlerin und Filmemacherin, deren Arbeit die Schnittstellen von Technologie, menschlicher Interaktion und existenziellen Themen erforscht. Mit einem Hintergrund in Übersetzung und Journalismus hat sie sich eine unverwechselbare Stimme erarbeitet. «Ich bin fest davon überzeugt, dass Kunst und Kultur in Zeiten zunehmender Polarisierung Brücken bauen und uns echte Momente gesellschaftlichen Zusammenhalts schenken.»