Schulstandort Rümligen in Gefahr – kommt nun das Belpberger Modell?
Ehemalige Schulhäuser gibt es einige in der ländlichen Region Gantrisch. Etwa das Schulhaus Rüti, das nach der Fusion mit Riggisberg 2009 geschlossen wurde. Könnte dasjenige in Rümligen das nächste sein? Denn der Standort verzeichnet rückläufige Schülerzahlen; schon im Sommer 2027 werden gemäss Prognosen nur noch elf Kinder die dortige Basisstufe besuchen – sieben weniger, als es die kantonale Mindestvorgabe verlangt. «Wir müssen handeln», sagt denn auch Daniela Bigler am Informationsanlass von Mitte Februar. Die Präsidentin der Schulkommission Riggisberg ist gefordert, denn auch im Ortsteil Riggisberg fehlt es an Schulkindern. Bereits auf das nächste Schuljahr hin muss im Unterstufenzentrum eine 1./2.-Klasse geschlossen werden. Fällt in Rümligen die Basisstufe weg, ist der ganze Schulstandort in Frage gestellt. Ein heikles Thema: Wurde doch im Zuge der Fusionsgespräche immer wieder versichert, dass der Schulstandort bleiben solle. Vor fünf Jahren liess die Gemeinde das Schulgebäude umfassend sanieren. So erstaunt es nicht, dass Bigler betont: «Der Gemeinderat möchte am Schulstandort Rümligen festhalten.»
Bloss, wie soll das gehen? Man kann die Rümligerinnen und Rümliger ja kaum zum Kinderkriegen zwingen; die Geburtenrate ist schweizweit rückläufig. Eine mögliche Lösung findet sich nur wenige Kilometer nördlich. Denn das Schulhaus Belpberg stand einst vor demselben Schicksal. Die Belpberger Kinder hätten fortan mit dem Schulbus ins Dorf hinuntergebracht werden müssen. Die Gemeinde Belp wählte den umgekehrten Weg: Interessierte Familien aus dem Dorf konnten ihre Kinder am Standort Belpberg anmelden. Der Schulbus fährt nun Kinder hinauf statt hinunter. Das Modell der Zyklusschule mit einer Basisstufe und einer 3.–6. Klasse ist inzwischen für so viele «Dörfler» attraktiv, dass sogar Kinder abgewiesen werden müssen. Doch: Belp hat fast 12’000 Einwohnende, Riggisberg hingegen nur gut 3000. Lässt sich das Belpberg-Modell trotzdem übertragen?
Dies möchten die Verantwortlichen von Gemeinderat, Schulkommission und Schule gemeinsam mit der Bevölkerung herausfinden. Es sind auch andere Ideen im Spiel. Die meisten davon bedingen, dass Familien aus den Ortsteilen Riggisberg und Rüti ihre Kinder nach Rümligen schicken. Ansonsten gibt es wenig Hoffnung für den Standort. Die Lösung liege nicht einfach auf der Hand, gibt Jürg Germann, externer Berater der PHBern zu bedenken. Umso wichtiger sei konstruktives und kritisches Mitdenken. «Jeder Entscheid soll breit abgestützt sein, die Behörden möchten der Bevölkerung nichts überstülpen», bekräftigt Bigler.
An einem ersten Mitwirkungsworkshop am 19. März trafen sich rund 50 Personen, um verschiedene Ansätze zu diskutieren. Anschliessend arbeitet eine Kerngruppe weiter daran; im Herbst möchte der Gemeinderat die Zielvariante und das Vorgehen festlegen. Alexandra Brönnimann, Schulleiterin des Standorts Rümligen, hebt am Informationsabend die Vorteile des familiären Umfelds im kleinen Schulhaus hervor. Auch das Modell der Zyklusschule sei attraktiv. Vielleicht, wirft eine anwesende Besucherin ein, könnten Familien, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken oder sie zuhause unterrichten, interessiert sein? Jeder Haushalt habe ein Infoblatt erhalten, versichert die zuständige Gemeinderätin Gabriela Wälti.
Ob die Gemeinde den Schulstandort Rümligen erhalten kann, wird sich zeigen. Klar ist einzig: Es geht nur, wenn genügend Familien mitmachen.
Salome Guida
Energieversorgung Riggisberg Viele Fragen, viel Kritik – aber auch Hoffnung auf eine Wende
Der Andrang ist gross, als sich die Bevölkerung in der Aula des Schulhauses Aebnit in Riggisberg zum Informationsanlass über die Energieversorgung Riggisberg AG (EVR) versammelt. Die Stimmung erinnert zeitweise an eine Krisensitzung – auch wenn die Verantwortlichen betonen, dass die wichtigsten Hausaufgaben inzwischen gemacht seien. Doch zurück zum Anfang.
Was ist passiert? Im Jahr 2011 gründet die Gemeinde Riggisberg die Aktiengesellschaft der Energieversorgung Riggisberg AG mit dem Ziel, Strom und Wärme für die Gemeinde sicherstellen zu können. Seit der Gründung investierte die Firma stark in Energieprojekte – insbesondere in zwei Wärmeverbünde. Diese waren Teil der energiepolitischen Strategie der Gemeinde, erwiesen sich jedoch wirtschaftlich als schwierig. Die Projekte wurden mit optimistischen Businessplänen gestartet, doch die Auslastung blieb hinter den Erwartungen zurück. Über den Erwartungen lagen dafür die Baukosten. Der EVR ist es in dieser Zeit nicht gelungen, genügend Eigenkapital aufzubauen. Die Verschuldung erreichte schnell schwindelerregende Höhen. Konkret waren es Ende 2021 8,9 Mio. Franken. Die Gemeinde selbst ist als Gläubigerin immer wieder aufgetreten. Dividenden für den Verwaltungsrat gab es dennoch üppig: Cirka 100‘000 Franken pro Jahr zwischen 2012 und 2022. Die EVR droht unterzugehen und die Gemeinde empfindlich zu belasten. Aus diesem Grund hat die Gemeinde nun reagiert und einen Untersuchungsbericht veranlasst. Und um diesem Bericht der Kanzlei Wenger Blattner zu lauschen, haben sich viele besorgte Bürgerinnen und Bürger eingefunden. Die Analyse zeigt: Die Probleme der EVR haben sich über viele Jahre aufgebaut. Besonders kritisch beurteilt der Bericht das Risikomanagement. «Die Dividenden stehen im Widerspruch zur steigenden Verschuldung», hält der Bericht fest. Auch bei der Aufsicht orten die Juristen Mängel. Der Verwaltungsrat sei seinen Kontrollpflichten nicht ausreichend nachgekommen, ebenso habe der Gemeinderat seine Aufsichtsmöglichkeiten nicht konsequent genutzt. Insgesamt liege die politische Gesamtverantwortung jedoch beim Gemeinderat.
Diese Aussagen sorgen im Publikum für deutliche Reaktionen. «Ich verstehe nicht, wie man so viel falsch machen kann», sagt ein Besucher und erntet Applaus. Auch die Rolle einzelner Verantwortlicher wird kritisch hinterfragt.
Die Anwesenden sowie der Bericht legen ihr Augenmerk nun aber auf die Zukunft. Wie geht es weiter? Laut dem heutigen Verwaltungsratspräsidenten Urs Lustenberger befindet sich die EVR seit zwei Jahren im «Krisenmodus», sei aber inzwischen stabilisiert worden. Operativ schreibe das Unternehmen mittlerweile schwarze Zahlen. Auch der Untersuchungsbericht kommt zum Schluss, dass die EVR heute auf einem besseren Kurs ist. Für strukturelle Änderungen gebe es derzeit keinen unmittelbaren Bedarf. Dennoch sollen die Kontrollmechanismen verstärkt werden. Künftig wird der Gemeinderat regelmässig Quartalsabschlüsse erhalten, zudem wird eine ordentliche Revision eingeführt. «Wir haben kein Wärmeproblem, wir haben aber noch ein Schuldenproblem», sagt Lustenberger. Die grösste Herausforderung bleibt nun die Refinanzierung der Darlehen. Die EVR ist auf das Entgegenkommen der Gläubiger angewiesen.
Eines muss an dieser Stelle aber noch einfliessen: Die EVR hätte vermehrt die Möglichkeit gehabt, sich anderen Verbünden anzuschliessen. Andere Gemeindepräsidenten haben – gemäss Anfrage dieser Zeitung – der Gemeinde Riggisberg dies gar mehrmals empfohlen. Der Versuch eines Alleingangs kam die Gemeinde teuer zu stehen. Inzwischen ist auch dies erkannt, denn die EVR ist der NetZulg AG aus Steffisburg angeschlossen.
Sacha Jacqueroud