Wo der Satz nicht endet

Wo der Satz nicht endet

Mit dem Film «Semikolon – Schizophrenie für immer» widmet sich Regisseur und Kameramann Saschko Steven Schmid einer Krankheit, die selten beleuchtet wird. Der Dokumentarfilm porträtiert einen Mann, der seit Jahrzehnten mit Schizophrenie lebt.

Ein Semikolon braucht ein Autor, wenn er einen Satz beenden will, sich dann aber dagegen entscheidet und weiterschreibt. Es ist mehr als ein Satzzeichen. Es ist ein Symbol für Hoffnung und bewusste Entschlüsse und wurde oft von Überlebenden psychischer Krankheiten tätowiert. Ausserdem ist es der Titel eines Films über das Leben mit der Krankheit Schizophrenie des Regisseurs Saschko Steven Schmid.

Der Weg zum eigenen Film

Saschko Steven Schmid ist in den frühen Achtzigern in Schliern geboren und aufgewachsen. Schon in seinen Jugendjahren verbrachte er viel Zeit hinter der Kamera. Skateboard- und Inlinevideos auf den Könizer Strassen waren der Startschuss seines filmischen Arbeitens. Dieses Interesse verfolgte er auch während seiner Ausbildung zum Mediengestalter. Später gründete er die SchmidFilm GmbH. Zurzeit lebt er in der Region Schwarzenburg und arbeitet als Director of Photography (DOP), Kameramann und Steadicam-Operator, sowohl fürs SRF als auch für seine eigenen Projekte.

Bereits vor dem Film «Semikolon – Schizophrenie für immer» war Schmid als Regisseur und Kameramann an einem Dokumentarfilm beteiligt. Der Film «Verdinger» wurde im Jahr 2020 veröffentlicht und gewann mehrere Preise. Es ist ein Dokumentarfilm über die Lebensgeschichte eines Verdingkindes. Bei «Verdinger» arbeitete Schmid mit einem Team von 35 Personen zusammen. Für sein nächstes Projekt hatte er jedoch eine andere Idee. «Es war ein Traum von mir, mal wirklich alles alleine zu machen», erzählt er im Gespräch und blickt dankbar auf die Erfahrung zurück, die er mit dem Film «Semikolon – Schizophrenie für immer» machen durfte.

Wie aus der Idee ein Porträt wurde

Mit dem Finalisieren des Filmes «Verdinger» blickte Schmid auf seine Themenliste und nahm ein weiteres Dokumentarfilmprojekt in Angriff. Auf dieser Liste spiegelt sich sein Interesse für psychische Erkrankungen wider. Um diesem Interesse nachzugehen, schrieb er verschiedene psychiatrische Kliniken an, um einen interessierten und geeigneten Protagonisten zu finden.

Hermann (Name geändert), ein 64-jähriger Mann kurz vor der Pensionierung, der an Schizophrenie erkrankt ist, meldete sich bei Schmid. «Ich habe schon lange den Wunsch, dass man über die Krankheit informiert, und zwar wirklich aus der Perspektive des Patienten», erzählt Hermann. Auf der anderen Seite betont Schmid: «Es ist wichtig, dass andere Leute eine Sicht bekommen, was die Krankheit ist und ausmacht.» Das war der Beginn einer fast dreijährigen, «sehr interaktiven und kollegialen Zusammenarbeit».

Der Dokumentarfilm, der daraus entstand, ist ein Porträt über Hermann. Im Film wird kein Gesicht gezeigt, sondern vielmehr ein intimer Blick hinter dieses Gesicht gewährt. Der Film führt durch Gespräche, Erzählungen und Wahrnehmungen durch Hermanns Leben. Es ist ein Leben zwischen Realität und Wahn, zwischen vielen Fragen, inneren Kämpfen und dennoch Momenten der Erfüllung. Trotz vieler traumatischer Erlebnisse und geplatzter Träume findet Hermann, im wörtlichen Sinne, seinen Weg. Vor allem seine Wanderungen geben ihm immer wieder Ruhe und Halt. Der Film ist stark von der Kraft geprägt, mit der Hermann sein Leben meistert.

Über den Mut, weiterzugehen

Genau das war für Saschko Steven Schmid eines der Hauptziele dieses Films. Im Gespräch erzählt er, dass es für ihn spannend gewesen sei, zu sehen, was Betroffene wirklich erreichen können, «wenn man den Mut hat, weiterzugehen». Der Film soll andere dazu ermutigen, das Beste aus ihrem Leben zu machen, auch wenn das Schicksal dagegenzuspielen scheint. Damit erklärt Schmid auch seine Entscheidung, keinen medizinischen Blick auf die Krankheit Schizophrenie zu geben. Stattdessen soll der Film ein persönliches Porträt sein und eine Geschichte erzählen.

«Ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden», erzählt Hermann nach der Premiere. Der Film gebe sein Leben und seine Wahrnehmungen sehr wahrheitsgetreu wieder. Gerade deswegen sei der Film «fast ein bisschen ein Coming-out».

Nicht nur Hermann ist mit dem Resultat zufrieden, sondern auch die vielen Zuschauenden. Die Rückmeldungen seien bislang sehr positiv gewesen, sagt Schmid, der dabei schon mit einem Fuss in seinem nächsten Projekt steht. Auch dies soll ein Einzelporträt einer psychisch erkrankten Person werden.

INFO: semikolon.mov

 

Was ist Schizophrenie?
Eine Schizophrenie ist eine schwere psychische Störung. Betroffene leiden phasenweise unter Veränderungen ihrer Gedanken, Gefühle und ihrer Wahrnehmung. Auch ihr Verhalten ändert sich und kann auf Aussenstehende beängstigend oder verwirrend wirken. Schizophrenien haben, genau wie Psychosen generell, ein vielfältiges Erscheinungsbild. (Quelle: promentesana.ch)

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