Die Café-Besitzerin Carine Oosterwijk wurde vergangenes Jahr angefragt, ob sie als Unternehmen beim LIFT-Projekt mitmachen will. Sie würde einer der lokalen Betriebe werden, welche für zwölf Wochen einer Schülerin oder einem Schüler einen Wochenplatz bieten. Die Jugendlichen kommen in ihrer Freizeit für ein kleines Sackgeld einige Stunden pro Woche in ihrem Café aushelfen. Für Carine Oosterwijk stand ausser Frage, dass sie das annehmen möchte.
Anfänglich machten sich Sorgen breit bezüglich des administrativen Aufwands, der mit der Annahme dieser Mitarbeit einhergehe. Das verging aber schnell, denn die Leitenden des Jugendprojekts möchten die Vermittlung der interessierten Jugendlichen so einfach wie möglich gestalten. So bieten sie viele Unterlagen für Schulen und Partnerbetriebe an, Verträge sind bereits aufgesetzt und auch das Beurteilungsdokument muss nur noch ausgefüllt werden.
Was das Projekt macht
«Das Projekt richtet sich an Jugendliche, bei denen der direkte Übergang in eine Berufslehre erschwert sein könnte», schreibt Larissa Kabeya, Verantwortliche in Public Relations bei LIFT. Erschwert heisst hierbei zum Beispiel durch ein leistungsschwächeres Schulniveau, wenig Unterstützung von zu Hause oder geringes Selbstvertrauen. Betroffene Schülerinnen und Schüler werden gefragt, ob sie am Projekt teilnehmen wollen, und werden bei Interesse in ein lokales Geschäft vermittelt. Ergänzend zum regulären Unterricht besuchen die Jugendlichen regelmässige Modulkurse, in denen sie ihre Erfahrungen aus den Wochenarbeitsplätzen reflektieren und wichtige Kompetenzen für die Arbeitswelt weiterentwickeln.
Das Projekt konnte sich in den letzten 20 Jahren in weiten Teilen der Schweiz etablieren und zählt heute über 400 Partnerschulen. Die grösste Herausforderung sei, genügend Gewerbebetriebe zu finden. Es gebe mehr Jugendliche, die teilnehmen möchten, als verfügbare Plätze. Auch Oosterwijk wünscht sich mehr Engagement aus der lokalen Wirtschaft: «Es gibt nur Vorteile, beim Projekt mitzumachen.» Sie erzählt, dass die Teenager mit einer anderen Perspektive ins Geschäft kommen und ihr helfen, Dinge anders zu sehen.
Alle Seiten profitieren
In Laupen erlebt die Café-Besitzerin die Jugendlichen als überaus motiviert und als eine gute Ergänzung fürs Team: «Die letzte LIFT-Schülerin hätte ich am liebsten gleich angestellt», sagt sie lachend. Besonders dankbar sei sie ihrem Team, das die Jugendlichen mit viel Fingerspitzengefühl und Geduld begleite. Dadurch fühlten sich die jungen Menschen gut aufgehoben und könnten wichtige Schlüsselkompetenzen erlernen.
Auch die Schule Mühleberg bestätigt die Wirkung des Projekts. Heilpädagogin Jana Zühlke und Gestaltungslehrperson Michael von Känel beobachten, wie die Jugendlichen durch die praktischen Einsätze persönlich wachsen: «Sie gewinnen an Selbstvertrauen, werden selbstständiger und entwickeln den Mut, Verantwortung zu übernehmen und aktiv auf andere zuzugehen.» Das Projekt sei eine wertvolle Ergänzung zur Berufswahlvorbereitung. «Viele Teilnehmende zeigen im Unterricht mehr Motivation und entwickeln realistischere Vorstellungen von ihren beruflichen Möglichkeiten», bemerken die Heilpädagogin und der Lehrer. Besonders bemerkenswert sei die Entwicklung ihrer Kommunikationsfähigkeit. Alle Teilnehmenden gewinnen an Sicherheit, wenn es um Telefongespräche geht. Eine Kompetenz, die im Schulalltag eher begrenzt geübt werden kann.
Einsatz mit Wirkung
Im Café bemerkt Carine Oosterwijk diese Entwicklung deutlich. Es sei erstaunlich, wie schnell die Jugendlichen in den zwölf Einsätzen an sich wachsen. «Die jungen Erwachsenen gehen in der Arbeit richtiggehend auf.» Oft vergessen sie die Zeit oder wollen sogar länger bleiben.
Beim Jugendprojekt geht es um die Prävention von Jugendarbeitslosigkeit und die Stärkung von Sozial- und Selbstkompetenzen. Zu den grössten Erfolgen der letzten Jahre schreibt Larissa Kabeya: «Wir freuen uns besonders, wenn ehemalige LIFT-Jugendliche eine Berufslehre erfolgreich abschliessen oder sogar in jenem Betrieb eine Lehrstelle erhalten, in dem sie zuvor ihren Wochenarbeitsplatz absolviert haben.» Das Projekt zeigt Wirkung und man darf hoffen, dass es auch in den nächsten 20 Jahren weiter wächst.